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Kreuz des Südens

 
Faszination Südafrika
Ich hatte zwar keine Farm in Afrika, wie die Schriftstellerin Karen Blixen, aber ich hegte jahrelang einen Traum – Südafrika. Endlich war es soweit! Ich schloss mich der Gruppe Stauffer, um meinen lang gehegten Traum Wirklichkeit zu werden, an. 
 
Am 2.Oktober 2008 flogen wird mit den Emirates via Dubai nach Johannesburg, den der Weg war das Ziel.
 
 
Wir kamen am Freitag, dem 3.10. im Laufe des Vormittags in Johannesburg an und wurden durch unsere deutsch sprechende Reiseleiterin, Frau Gisela Rüsch, am Flughafen sehr herzlich begrüßt.
 
Anschließend ging es sofort zu einer Rund- bzw. Orientierungstour durch die gigantische Wirtschaftsmetropole Johannesburg, bevor wir in unserem Hotel in Gold Reef City eincheckten. Johannesburg, oder Jo`burg, liegt zwar inmitten einer herrlichen Landschaft, aber wie eine Krake hat sich die Stadt bis in Hochland ausgebreitet. Aber zwischen den Hochhäusern und Betonklötzen eingequetscht ducken sich im verschwenderischen Licht der afrikanischen Sonne historische Fassaden alter Häuser. Tagsüber ist Johannesburg, so erzählte uns unser Guide, eine hektische Metropole, in der das Leben nie stillzustehen scheint.
 
 
Vor allem die Innenstadt ist in den letzten Jahren ein „heißes Pflaster“ geworden. Nirgendwo sonst prallen die Gegensätze von Reich und Arm so unversöhnlich aufeinander, wie hier. Der Slum von South Western Township (SoWeTo) wirkt wie ein böser Traum. Die größte, ausschließlich von Schwarzen bewohnte Siedlung Südafrikas, mit schachtelartig zusammengefügten Bauten aus Wellblechdächern und Bretterverschlägen, ungeschützt vor Hitze, Regen und Kälte, prägt dieses Bild. Der Aufstieg in ein besseres Leben gelingt sicherlich nur sehr selten, so glaube ich. Aber manchmal doch: Denn hier, in Johannesburg, so erzählte uns unser Guide, wohnte einst auch Nelson Mandela und einen Steinwurf davon entfernt, Erzbischof Desmondo Tutu. Also zwei spätere Nobelpreisträger.
 
In Gold Reef City, wo wir unser Nachtlager aufschlugen, vermittelten uns die nachgebauten Gebäude einen Eindruck über die damalige Pionierzeit und den Goldrausch, der vor einhundert Jahren hier stattfand.Wir konnten eine Goldmine besichtigen, und sahen auch wie flüssiges Gold zu Barren geprägt wurde. Natürlich durfte da eine Tanzvorführung mit Gesang der Minenarbeiter nicht fehlen. Der Rhythmus der Trommeln hinterließ bei uns einen sehr großen Eindruck. Auch hat hier die Bergwerkskammer zu Ehren der Arbeiter im Goldbergbau ein Denkmal errichtet, das einen weißen und zwei schwarze Bergleute bei der Arbeit darstellt.
 
Am nächsten Tag ging es dann nach Pretoria. Ganze Welten liegen zwischen Johannesburg und der nur eine halbe Autostunde entfernten biederen Hauptstadt des Landes. Die Nationalblume dieses Landes ist zwar die Protea, aber unzählige uralte Jacaranda Bäume hüllten die Hauptstadt Pretoria in einen violetten Blütenteppich, denn es war ja Frühling. Pretoria ist auch nicht so laut wie Johannesburg. Und sie ist weder eine Arbeiterstadt noch eine boomende Metropole, sondern eine schmucke „weiße“ Beamtensiedlung. In der Mitte des Church Square steht das Standbild des Burenführers Paul Krüger. Der Meintjeskop oberhalb der Stadt wird beherrscht von den Union Buildings.
 
 
Dieser lang gestreckte Bau aus rotem Sandstein und roten Ziegeldächern besitzt zwei hohe, mit kleinen Kuppeln gekrönte Glockentürme und monumentale Freitreppen. Die beiden Flügeln links und rechts sollen die Sprache Englisch und Afrikaans symbolisieren.
 
Dieses Gebäude wurde 1994 weltweit berühmt, als Nelson Mandela als erster demokratisch gewählter Präsident Südafrikas in sein Amt eingeführt wurde. Auch sind in diesem Bau wertvolle Dokumente zur Geschichte des Landes untergebracht, so erzählte uns unsere Reiseführerin. Auf einem Hügel, am Südwestrand der Stadt erhebt sich – schon von weiten sichtbar - das Voortrekker Monument, ein monumentaler Klotz aus braunem Granit. Es erinnert an den blutigen Sieg der Buren über ein Zulu Heer und dokumentiert die Geschichte des Großen Trecks sowie die Ereignisse, die zur Schlacht am Blood-River führten, wo 464 Buren über 3000 Zulu niedermetzelten. Das ganze Denkmal ist umgeben von einer Wagenburg aus Stein, einer Mauer mit 64 Ochsenkarren. Am Eingang des Granitbaues, der auf einem Sockel ruht, steht die bronzene Statue einer Mutter, die ihre beiden Kinder schützt. In der Kuppel des Monuments ist ein Loch eingelassen, das in der Mittagsstunde des 16. Dezember einen Sonnenstrahl auf einen Sarkophag tief unten in der Krypta fallen lässt, auf dem zu lesen stand: „Wir für dich, Südafrika“
 
 
Auch wurde das Volk der Ndebele, Xhosa, Swazi und Zulu hier angesiedelt, die einst Nomaden waren, so wurde uns erzählt. Weiters besichtigten wir auch das Krügerhaus mit dem Empfangszimmer der Frau des Präsidenten, seinem eigenen Empfangszimmer, den beiden Büros, wo in einem Büro l89l das erste Telefon in Pretoria installiert wurde, das Hauptschlafzimmer, das Extra-Schlafzimmer sowie die Küche mit Speisekammer. Im ZARsaal befand sich persönliches Eigentum des jungen Krügers, seine Staatskutsche und ein Ochsenwagen. Im Verbanntensaal wurde Krügers Reise nach Europa illustriert, sein Heldenempfang in Frankreich und den Niederlanden, seine Jahre im Exil, sein Tod in der Schweiz und das Staatsbegräbnis in Pretoria in Bildern uns veranschaulicht. Auch seinen Staatseisenbahnwaggon, den er auf seinen amtlichen Besuchen benutzte, besichtigten wir.
 
 
Ebenso besichtigten wir das Melrose-House, mit seinen für die damalige Zeit entsprechend eingerichteten pompösen Zimmern, Gewändern, Geschirr sowie dem kleinen Gewächshaus Vis-a-vis vom Gebäude steht noch immer das „Cafe Sacher“, welches so erklärte uns unsere Reiseleiterin leider nicht mehr offen ist, aber vielleicht doch eines Tages wieder der Öffentlichkeit zugänglich gemacht wird.
 
Am nächsten Tag ging es dann durch die beeindruckende Landschaft der Provinz Mpumalanga, was soviel wie „Land der aufgehenden Sonne“ heißt, nach Pilgrims Rest. Pilgrims Rest ist ein unter Denkmalschutz gestelltes Goldgräberstädtchen. Hier bekamen wir einen authentischen Eindruck vom Leben der Goldsucher. Aber heute ist anstelle der Geisterstadt eine Oase der Nostalgie geworden. Ich besichtigte die alte Kirche, eine alte Kneipe und das nostalgisch eingerichtete Hotel sowie die Central Garage des Transport Museums mit seinen damaligen Autos, über die jetzt jeder Autoliebhaber erfreut wäre, würde er zumindest ein Exemplar davon besitzen. .
 
Entlang der Panorama-Route, die zu den schönsten Reiserouten Südafrikas gehört, vorbei an vielen Wasserfällen, gelangten wir zum God`s Window, von wo man einen phantastischen Blick in das 1000 m tiefer gelegene Lowveld gehabt hätte, bei gutem Wetter sogar bis Mozambique. Aber leider machte uns der Wettergott einen Strich durch unsere Rechnung, denn es fing ganz leicht zu nieseln an und undurchdringliche Nebelschwaden kamen immer tiefer herunter, sodass wir nicht ausstiegen und kurzerhand weiterfuhren. Wir erfuhren auch, dass hier der Kultfilm „Die Götter müssen verrückt sein“ gedreht wurde.
 
Dann ging es weiter zu den beeindruckenden bizarr geformten Felsformationen, den Bourke`s Luck Potholes. Das sind durch Wasserkraft und Erosion zylinderförmig ausgewaschene Strudellöcher, die mittlerweile eine Tiefe bis zu drei Meter erreicht haben. Hier hat der Schatzsucher Bourke Gold gefunden, daher auch der Name. Nach ausgiebiger Besichtigung trieb es uns weiter ins menschenleere Land der Regenkönigin zum Blyde River Canyon, den spektakulärsten und drittgrößten Canyon der Welt. An zwei Stellen ist hier die Aussicht so berauschend, dass man den Eindruck gewann, als breite sich das ganze Universum vor einem aus. Sonnenstrahlen glitten an den Hängen der Schlucht entlang und die Farbschattierungen der Felsen reichten im Lichte der untergehenden Sonne von Puder bis Rostrot. Sogar der Himmel leuchtete kurz auf wie eine Feuerfront, während die Sonne bereits versunken war. Ein leichter Wind ließ die Blätter erzittern und es begann das geheimnisvolle Wispern der afrikanischen Nacht.
 
 
Ein letzter Blick frühmorgens über den Canyon und zu den „Three Rondavels“, den Rundhütten-artigen Felsen, die wie mächtige Baobabs im Lichte des Morgens wirkten, und weiter ging es zum nächsten Höhepunkt der Reise, zum Krüger Nationalpark auf Heia Safari.
 
Dieser Park ist der größte Naturpark der Welt und vielleicht sogar – außer der Serengeti – der berühmteste überhaupt. In diesem Freilichtzoo kann man sich als Tourist fast ohne Risiko bewegen, natürlich nur im geschlossenen Auto, und muss auch auf keinen Komfort verzichten.
Die Tierwelt ist hier überwältigend und eingebettet in den Komfort und die Sicherheit einer Lodge wirkte die afrikanische Natur auf uns Touristen merkwürdigerweise harmlos. Aber es ist immer noch Afrika, wild und gefährlich!
 
 
Giraffen glitten in Zeitlupe an uns vorbei, Gazellen standen in ausreichender Fluchtdistanz. Eine Herde unzähliger Gnus kündigte sich durch dumpfes Grollen des Bodens an, eine Büffelherde zog im wilden Galopp vorüber, Flusspferde lagen regungslos wie mit Moos bewachsene Steine im Wasser und würdevoll stakste ein Sekretär-Vogel über die Savanne.
 
Früher machten ja Wilderer Jagd auf die Riesen des Parks, nämlich auf die Elefanten. Jetzt ist es aber umgekehrt. Nun machen Parkranger Jagd auf die Wilderer und das ist gut so. Wir sahen eine Tüpfelhyäne, wie sie sich gerade an einer Gazelle labte, während eine Menge Aasgeier im Umfeld schon warteten, um an diesem opulenten Mahl teilzunehmen, denn den Trostpreis bekommen ja immer die Geier. Weiters sahen wir ein Herde Zebras, einige Breitmaulnashörner grasten am Wegesrand, Krokodile lagen am Uferrand dösend in der Sonne, Impalas kreuzten unseren Weg sowie Kudus und Springböcke. Paviane begleiteten uns ein Stück des Weges und Affen kletterten in den Bäumen. Wir sahen auch viele exotisch aussehende Vögel darunter den Gelbschnabel-Toko. Ein Schakal und einige Hyänen liefen vor uns über die Straße sowie zwei Tapire, bei denen sich Frühlingsgefühle bemerkbar machten, paarten sich vor unseren erstaunten Augen.
 
 
Da, drei Löwen. Sie lagen gemächlich mitten auf der Straße, sodass jedes Auto anhalten musste, und so auch wir. Alle Insassen der Autos und auch wir schauten ihnen voller Begeisterung zu, wie sie sich auf die Jagd nach einem Warzenschwein aufmachten. Langsam und lauernd, jede Faser des Körpers bis aufs äußerste angespannt pirschten sie sich an das Warzenschwein, welches friedlich einige Meter davon entfernt graste, heran. Aber das Warzenschwein war klug genug, um ihnen zu entwischen. Einerseits schade, denn diese blutrünstige Aktion hätten wir auch gerne gesehen. Etwas missmutig und gelangweilt legten sich die drei Löwen gähnend wieder auf die Straße. Nach einer guten halben Stunde verließen wir den Ort des Geschehens, da wir ja weiter mussten. Ich fragte auch unseren Guide, warum Löwen manchmal auch auf einem Ast in einem Baum liegen? Die Antwort des Guides war einleuchtend und kurz. „Oben weht immer eine kühle Brise und man hat eine bessere Sicht auf die Beute“.
 
 
Vom Restcamp hatten wir auch einen herrlichen Ausblick auf die Savannenlandschaft, denn die Tierwelt war, wie gesagt, überwältigend und phänomenal. Als sich die Sonne fast theatralisch verabschiedete, war der Tag noch immer nicht zu Ende. Denn kaum ist es Nacht geworden, kam Leben in die Savanne. Ich erlebte dieses Safari-Abenteuer wir ein Bühnenstück und ich konnte mich der Faszination der Natur nicht entziehen. Geräusche drangen durch die dünnen Wände der Logge und ließen Ludmilla und mich die Gefahren erahnen in der Stille dieser Nacht. Wir hörten das monotone Summen der Insekten, das Kreischen der Paviane bzw. der Hyänen, die den Mülleimer am Rande des Camps umwarfen, um nach Nahrung zu suchen. In solch einer Nacht inmitten der Natur erahnt man etwas von dem großartigen aber auch grausamen Schauspiel der Natur. Die Dunkelheit einer afrikanischen Nacht weckt im Menschen ja Urängste und man kommt sich wie ein Eindringling vor in dieser Stille. All dies umgab mich wie ein Hauch von „Jenseits von Afrika“.
 
Im Letaba-Camp , welches zu den schönsten des Nationalparks gehört, konnten wir noch in der Elephant Hall das Gerippe, das Herz und das Gehirn eines Elefanten bewundern, ebenso seine 45 kg schweren Stoßzähne. Auch Fledermäuse und Flughunde beobachteten Ludmilla und ich. Bei einem weiteren Stopp in einem Camp bestaunten wir die vielen Leute, die sich als Grillmeister betätigten. Ludmilla und ich schauten ihnen fasziniert beim Grillen zu, wurden sogar freundlich zum Essen eingeladen, und erfreuten uns an den unzähligen blauen Vögeln, die hier durch die Luft nur so schwirrten und auch um Futter bettelten.
 
 
Wie schon erwähnt, der Krüger Nationalpark war ein Leckerbissen, aber leider, schweren Herzens mussten wir Abschied nehmen. Denn unsere Fahrt ging wieder nach Johannesburg zum Flughafen zurück, um nach Port Elizabeth, an der Algoa-Bucht gelegen, zu fliegen. Dort erwarte uns unsere zweite Reiseleiterin, Frau Marion Craik.
 
Am nächsten Tag bei einer kurzen Stadtrundfahrt sahen wir den Königsbrunnen am Market Square, der anlässlich der Krönung von Elizabeth II. erbaut wurde. Das White-House mit seinen Jugendstilelementen. Den 52 m hohen Campanile, der zu Erinnerung an die ersten Siedler errichtet wurde. Das Horse Memorial, mit der Darstellung eines Soldaten, der seinem Pferd Wasser gibt. Und die vielen hübschen viktorianischen Häuser in der Donkin Street. Anschließend ging es dann zum nächsten Höhepunkt dieser Reise, der legendären Garden Route, die auch als Paradies des Edens genannt wird.
 
Sie beginnt kurz nach Port Elizabeth, geht über Mossel Bay und endet in Kapstadt oder umgekehrt und ist wohl die berühmteste Reiseroute Südafrikas schlechthin. Atemberaubende Küstenabschnitte, uralte Wälder, bezaubernde Seen, all dies findet man hier.
 
Da war aber zuerst der Tsitsikamma Wald. Dieser faszinierende Regenwald beherbergt viele uralte Baumarten, unter anderem auch den über 800 Jahren alten Gelbholzbaum. Dieser Baum hat einen Umfang von 3 Metern und kann bis zu 40 m hoch werden. In diesem märchenhaften Urwald, so berichtete unsere Reiseleiterin, wächst auch der Redwood-Baum. Auch hatte hier, der in Bloemfontein geborene Schriftsteller Tolkin seine Inspiration für das Fantasy Epos „Herr der Ringe“. Denn dieser Dschungel mit seinen zahlreichen riesigen Farnen, Moosen und Kletterpflanzen kann einen schon in diese Welt versetzen.
 
Vorher warfen wir aber noch von der Paul Sauer Brücke, die 190m lang ist, einen Blick in die Schlucht und die umliegenden Berge, die etwas regenverhangen waren, denn nicht umsonst heißt Tsitsikamma in der Khoikhoi Sprache „Ort der vielen Wasser“.
 
Dann kam wir zur Storms River Mündung mit seiner spektakulären Hängebrücke. Aber leider war diese durch vor Monaten einhergehende Unwetter nicht passierbar, sodass wir auf einen Spaziergang auf dieser Hängebrücke verzichten mussten, aber der Ausblick auf die tobenden Wellen des Meeres und die Schlucht beeindruckte uns ebenso. Aber bevor wir an die Storms River Mündung kamen verweilten wir ganz kurz auf der Bloukrans-Brücke, wo sich ein todesmutiger Mann, natürlich angeseilt, beim Bungeejumping in die Tiefe stürzte
 
Später erreichten wir Plettenberg, das St. Tropez von Südafrika, dementsprechend sind hier auch die Preise. Diese paradiesische Gegend ist aber nach wie vor eine Domäne der Weißen geblieben. Aber das interessanteste an Plettenberg sind die Wale. Sie kommen von Juli bis Oktober hierher. Diese Giganten der Meere sind Buckel- und Grauwale, die von der Arktis hierher kommen, um sich in den warmen Gewässern des Agulhas Stromes zu paaren und ihre Jungen zu gebären. Ihr magischer „Meeresgesang“ dringe angeblich bis in die dunklen Winkel des Tsitsikamma-Forest, so erzählte uns später unser Guide.
 
Dann kamen wir nach Knysna, der Austernstadt. Knysna, an einer zauberhaften Lagune gelegen, war früher ein Industriehafen, der für die Verschiffung wertvoller Edelhölzer zuständig war. Jetzt ist Kynsna angesichts seiner Naturschönheit ein beliebtes Ausflugsgebiet der Kapstädter geworden, so lauschten wir den Erzählungen unseres Guides. Denn sowohl hier als auch in den weit verzweigten Feuchtgebieten der Wilderness Area sind viele Vogelarten beheimatet, die sowohl Schutz als auch Nahrung hier zugleich finden.
 
 
Knysna hat sich aber seinen geruhsamen Charme bewahrt und bietet mit seinem langen weißen Sandstrand, und die mit saftigem Grün bedeckten Hängen einen unbeschreiblich schönen Ausblick auf den tosenden Indischen Ozean. Zwischen den beiden eindrucksvollen legendären Sandstein-Felsen, den Kynsna Heads, reicht der Blick weit auf das Meer hinaus. Nur ein Vogel hoch oben in den Lüften würde noch mehr sehen.
 
Bevor wir aber unser Hotel in Wilderness für die Nacht bezogen, kamen wir noch am Aussichtspunkt hoch über den Kaaimans-River vorbei. Abends erstrahlte dann die Bucht von Wilderness ein letztes Mal in ihrer vollen Pracht und eine leichte Brise strich über die Landschaft, als die Sonne im Meer versank. Wie ein idyllisches Paradies präsentierte sich uns Wilderness, tief unten im Süden von Afrika.
 
Über den Outeniqua Paß, wo nördlich davon das trockene wüstenähnliche Hochland der Kleinen Karoo (in der Sprache der Buschmänner „Land des Durstes“) begann, gelangten wir dann am nächsten Tag nach Oudtshoorn, dem Zentrum der Straußenzucht und ihrer Straußenbarone. Die Nachfrage nach Federn war ja früher eng mit der Jugendstilepoche in Europa verbunden, heute gilt die Nachfrage aber dem schmackhaften Fleisch. Einige von uns deckten sich mit dem beliebten Souvenir, einem bemalten Straußenei, ein. Andere wiederum versuchten ihr Glück auf den Rücken dieser Tiere.
 
Bevor es aber zum Barbecue Essen ging, standen noch die Cango-Caves, eine eindrucksvolle Tropfsteinhöhle mit ihren verzweigten Höhlensystemen, auf dem Programm. Weiters stand noch die Besichtigung einer Krokodil- und Geparden Farm ebenfalls auf dem Programm, wo wir viel Wissenswertes über diese Tiere vermittelt bekamen.
 
Von dem kleinen malerischen Örtchen George, welches im Mittelpunkt der Garden Route liegt, ging es dann nach dem Besuch des Eisenbahnmuseums mit dem nostalgisch gemütlich ruckelnden Outeniqua-Choo-Tjoe Dampfzug, nach Mossel Bay. Hier zog die fauchende Dampflok so nahe an der Seenplatte der Wilderness-Area vorbei, sodass man den Rauch aus dem Schlot der Lokomotive, der sich im Wasser spiegelte, sehen konnte. Über Brücken vorbei an Seen, Stränden und Wälder fuhren wir am Lagunenbecken des Great Brak River vorbei, wie schon vorhin erwähnt, nach Mossel Bay.
 
Hier setzte der Portugiese Diaz als erster Europäer seinen Fuß auf afrikanischen Boden. Wir sahen im Museum den Nachbau der Caravelle, mit der er das Kap der Guten Hoffnung umsegelte und wir fragten uns staunend, wie war dies in so einem kleinen Schiff, möglich? Hier steht aber noch eine weitere Sehenswürdigkeit, nämlich ein über 500 Jahre alter, mit einem Eisenring versehener Milkwood-Baum, der als“ Old Post Office Tree“ bekannt ist, den wir natürlich auch bestaunten.
 
 
Denn die Geschichte erzählt davon, dass ein Seemann auf seiner Fahrt nach Ostindien eine Nachricht in einem Stiefel, den er an den Baum hing, hinterließ. Diese Nachricht wurde später von anderen Seeleuten gefunden und führt daher zu dem bis heute erhaltenen Brauch. Auch heute noch kann man seine Post in einen Briefkasten, in der Form eines Seemannstiefels, im Museum einwerfen und bekommt sie, mit einem Sonderstempel versehen, zugeschickt.
 
Weiter trieb es uns über Swellendam und Caldeon nach Stellenbosch, in das Weinland und die Stadt der 1000 Eichen. Eingebettet in die hügelige Landschaft der Kleinen Karoo liegen hier zahlreiche Weingüter, die edle Weine erzeugen, die in die ganze Welt verschickt werden.
 
 
Aber der Reihe nach: Da war zuerst das malerisch romantische Universitätsstädtchen Stellenbosch mit seinen endlosen Eichenalleen und vielen Parkanlagen und den schmucken alten Häusern. Seine ausgezeichneten Weine sowie der kapholländische Baustil machten dieses zauberhafte Städtchen weltberühmt. Hier besichtigten wir das Village Museum, wo wir vier verschiedene Häuser aus verschiedenen Zeiträumen und auch in ihrem jeweilig eigenen Stil eingerichtet sahen. Als Besucher konnte man von einem Haus zum nächsten gehen und auf diese Weise erleben, wie Möbelstoffe, ja die gesamte Hauseinrichtung sich im Wandel der Zeit verändert hatte.
 
In unserer karg bemessenen Freizeit durften Ludmilla und ich sogar in eine Kirche hinein, obwohl, wie man uns sagte, eigentlich der Zutritt für Touristen nicht gestattet ist. Weiters sahen wir beide auf unserem Erkundungsweg das Schießpulverhaus, das Spielzeugmuseum, noch einige Kirchen, in die wir natürlich hineinlugten und eine Kindertagesstätte. Hier lauschten wir für kurze Zeit den Gesängen der Kinder. Nach all diesen schönen, zauberhaften altehrwürdigen Herrenhäuser aus der Gründerzeit, ging es dann zu dem Weingut Neethlingshof, welches im Schatten eines alten Parks lag, wo wir nicht nur in die Geheimnisse der Weinherstellung eingeweiht wurden, sondern auch das Produkt an Ort und Stelle verköstigen konnten. Der Pinotage, ein würziger Rotwein ist und war eine Sünde wert. Nach dieser Kellerpartie mit seinen edlen Köstlichkeiten und einem Weinglas als Geschenk des Hauses ging es dann über den Bloubergstrand, mit seinem Postkartenblick über die Tafelbucht auf den Tafelberg, nach Kapstadt, der Millionenmetropole.
 
 
Diese weltoffene Stadt besitzt zahlreiche Statuen historischer Persönlichkeiten und eine prächtige Bergkulisse, nämlich die 12 Aposteln und natürlich das Wahrzeichen der Stadt schlechthin, den Tafelberg. Es heißt ja nicht umsonst, Kapstadt ist eine der schönsten Städte der Welt.
 
 
Vom pittoresken alten Hafenviertel, der Victoria & Alfred Waterfront, gelangten wir über die Adderleystraße zum Denkmal des Stadtgründers Jan von Riebeck. Auch sahen wir das Castle of Good Hope, das älteste von Weißen erbaute Gebäude. Punkt 12 Uhr findet hier die Wachablöse in alten historischen Gewändern statt, so erzählte uns unser Guide.
Weiters die im italienischen Stil erbaute City Hall mit Glockenturm. Dann das barocke Old Town House. Weiters die Groote Kerk, das South African Cultural History Museum, welches früher eine Unterkunft für Sklaven war, später Postamt, dann Bibliothek und Sitz des Obersten Gerichtshofes.
 
 
Dann die Bischofskirche von Desmondo Tutu, der hier gegen die Apartheid predigte, die St. George`s Kathedrale und das House of Parliament. Dann die weißen Türme der Great Synagoge vor dem markanten Tafelberg. In der South African Libary, die gegenüber liegt, wird von jedem Buch, das in Südafrika veröffentlicht wird, ein Exemplar archiviert, so vernahmen wir. Wir besuchten auch das South African Museum, wo wir einiges über die Gebräuche und Sitten der Ureinbewohner Südafrikas, den Buschmännern und –Frauen, erfuhren. Die „weiße Stadt“, wie Kapstadt auch genannt wird, versprüht schon ein eigenes Flair, ist aber auch ein buntes Völkergemisch, das den Besucher in seinen Bann zieht. Angeblich soll ja derjenige, der Kapstadt gesehen, das mediterrane Flair verspürt und die ansteckende Fröhlichkeit erlebt hat, für immer dem Charme dieser Stadt verfallen sein, so sagt man.
Wir fuhren auch durch das Malaienviertel, über die mit Kopfstein gepflasterten steilen, engen Straßen und ihren bunt gefärbten Häusern, denn zum Aussteigen und Bummeln blieb uns leider keine Zeit.
 
Auch besuchten wird den Botanischen Garten von Kirstenbosch. Hier gab es eine Vielzahl von exotischen Blumen und einheimischen Pflanzen zu bestaunen. Es duftete nur so und diese Blüten- und Farbenpracht erfreute unser aller Augen.
 
Am Nachmittag ging es dann auf den Tafelberg hinauf, denn der Berg rief uns. Allerdings versteckt er sich oft hinter Wolken und zarten Nebelschleiern, dem sog. Tafeltuch. Ein paar Minuten dauerte die Fahrt hinauf mit einer in der Schweiz erbauten, sich drehenden Kabine. Von dort oben hatten wir einen grandiosen Blick über die Stadt bis Robben Island, wo Nelson Mandela 29 Jahre lang inhaftiert war. Aber im Reich der Flora und Fauna sind hier die Paviane und die Dassiens, auch Klippschliefer genannt, die Herrscher des Berges. Alle zehn Jahre, so vernahmen wir, schneit es auf dem Tafelberg und dann hängen Eiszapfen wie weiße Bärte in den Schluchten und die Steinriesen geben sich geheimnisvoll und mystisch zugleich. Diese Fahrt auf den Tafelberg und sein Ausblick war sicherlich für viele von uns ein weiteres Highlight.
 
Am nächsten Tag machten wir einen Ganztagesausflug zum Kap der Guten Hoffnung. Auch diese Halbinsel ist eine Besichtigung wert. Hier treffen zwei Meere, der Atlantik und der Indische Ozean aufeinander und laut Francis Drake das schönste Ende der Welt. Jeder Felsen, jede Klippe, besticht durch seine Gestalt und Färbung. Gewaltig rauscht hier die Brandung an die Küste und lässt einen die Urkraft des Meeres erahnen und die Gischt der Wellen überzieht alles mit einem feinen Nieselregen.
 
Vorher aber waren wir in Hout Bay. Bei Hout Bay erreicht der lange Chapman`s Peak Drive den spektakulärsten Abschnitt dieser Küste, der aber ebenfalls bedingt durch etliche Unwetter vorher, gesperrt war und nun in mühevoller Arbeit wieder renoviert werden muss. Aber der Umweg war ebenso schön. An lieblichen Weingütern vorbei ging es nach Fishhoek. Der Ausblick auf das Meer mit seinen gewaltigen Wellen ließ uns den Atem anhalten, so unvergleichlich schön war er.
 
Auch unternahmen wir bei Hout Bay eine Bootsfahrt zu einer kleinen Insel, Duiker Island, wo sich eine große Kolonie der Robben befand, die wir vom Schiff aus beobachten konnten.
 
Weiter ging es dann in unserem Programm in das Naturreservat an der Kapspitze, welches man gesehen haben muss. Diese einsame Landschaft besteht hier aus einem langen Sandstrand mit Klippen, flachen Felsen und sandigen Buchten, sowie Moosen und Flechten und dem Fynbos, eine für diese Region bekannte Blumengattung, bestehend aus Proteen, Heidekraut und Wildblumen. Fast gespenstisch wirkten hier die verwitterten Äste eines Baumes, die in das Blau des Himmels ragten.
 
Vom Parkplatz aus, wo die Straße endete, gelangte man zu Fuß oder mit der Standseilbahn zu dem hoch über dem Meer gelegenen Leuchtturm. Von hier sahen wir, 209m hoch über dem Meer gelegen, das eigentliche Kap der Guten Hoffnung, wo die tobende Brandung sich donnernd im Lichte brach. Viele Legenden ranken sich hier um die zahlreichen versunkenen Segelschiffe. Aber unsere Fahrt war noch nicht zu Ende.
 
Wir besuchten noch den Marine Stützpunkt Simon`s Town. Das Straßenbild dieses Küstenstädtchens bestimmen enge Gassen, altmodische Pubs und die „historische Meile“ mit ihren kulturellen Sehenswürdigkeiten. Direkt am Wasser steht die bronzene Statue einer dänischen Dogge, die im 2. Weltkrieg als Marine-Maskottchen ihren Dienst tat. Aber die Stadt hielt noch eine Überraschung für uns bereit.
 
Hier haben sich nämlich am Boulders Beach die Pinguine angesiedelt. Diese Brillenpinguine watschelten würdevoll am Strand entlang. Natürlich sind hier die Menschen eingezäunt, die die drolligen Tiere bewundern können. Am sehr späten Nachmittag kehrten wir nach Kapstadt zurück. An unserem letzten Tag besuchten Ludmilla und ich nochmals die Victoria & Alfred Waterfront mit seinen zahlreichen Lokalen, Cafes und Restaurants. Auch das Two Ocean Aquarium von Kapstadt mit seinen vielfältigen Meeresbewohnern sowie Rochen und Haien besuchten Ludmilla und ich noch, bevor es Abschied nehmen hieß und es Richtung Heimat ging.
 
Die uns zur Verfügung stehende Zeit reichte nicht aus, um alle Museen zu sehen, die Stände nach Andenken zu durchwühlen und den Trommeln und Trompeten der Musikanten und ihrer Musik zu lauschen.
 
So vielfältig aber wie das Land und seine Menschen sind, waren meine Eindrücke, die ich von dieser Reise nach Südafrika mitnahm, einem extremen Land, das superreich und zugleich bettelarm, doch noch voller Hoffnung ist, aber auch zugleich seinen Weg zum Wohlstand und Glück gefunden hat. Es waren Eindrücke von wilden Tieren, fremden Völkern, von erschreckender Not mancher Menschen, und einer überwältigenden schönen aber auch einer gnadenlosen Natur. Aber es lohnte sich dieses Land zu entdecken, denn unsere Erde ist ja voller Geheimnisse. Und der Himmel über Südafrika war so blau wie Glas, das man dahinter das Feuer glaubte lodern zu sehen.
 
 
Wie eingangs schon erwähnt, ich träumte lange davon und Afrika zeigte sich mir von seiner schönsten Seite.
Jambo