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Sagen und Myhten

 
Der fliegende Holländer
Seemannsgarn aus Südafrika von Maya Heinbockel
 
An stürmischen Tagen, an denen der Wind um die Häuser in Kapstadt fegt und hohe Wellen an die Küste schlagen, sitzen Matrosen aus aller Welt in den Hafenkneipen und erzählen Seemannsgarn. Flüsternd berichten sie von einem Geisterschiff, das um das Kap segelt. „Es bringt Unglück!”, ruft dann ein alter Seebär und erzählt die Jahrhunderte alte Legende vom „Fliegenden Holländer”. Im Jahr 1680 soll es gewesen sein, als der Niederländer Hendrick van der Decken mit seinem Schiff von Indien nach Europa unterwegs war. Gerade hatte er in Kapstadt Waren abgeladen, als ein Sturm hereinbrach. Die Mannschaft hatte Angst und flehte, im sicheren Hafen zu bleiben. Ihr Kapitän trieb sie aber hinaus aufs Meer. Die Wellen rissen das Segelschiff hin und her. Der Holländer musste sich gar ans Steuer binden, um nicht über Bord zu gehen.
 
Erneut drängte die Mannschaft zur Umkehr, doch van der Decken wollte sich den Naturgewalten nicht ergeben. Er fluchte und schimpfte auf Gott. Er brüllte in den Sturm: „Ich schwöre beim heiligen Kreuz, dass ich weiter segeln werde bis ans Ende der Welt. Und wenn es bis zum jüngsten Tag dauert!” Da erklang ein Donner und seine Mannschaft fiel tot um. Der Kapitän und sein Schiff waren fortan dazu verdammt, für immer um das Kap zu segeln – als fliegendes Geisterschiff mit zerfetzten Segeln. Die Matrosen erwachen nun in der Nacht und versuchen vorbei fahrenden Schiffen Post mitzugeben, deren Empfänger lange verstorben sind. Diese Briefe müssen an den Mast genagelt werden, sonst ist das Schiff dem Untergang geweiht. Aus Angst vor dem Geisterschiff fürchten sich auch heute noch Seeleute, bei Sturm um das Kap zu segeln. Und tatsächlich liegen zahlreiche Schiffswracks an den Ufern. Opfer der Klippen oder des Flying Dutchman?