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Mein Traum von Afrika

 
Zwei Monate mit Windeln wechseln, Tränen trocknen und südafrikanischer Herzlichkeit. Die Berlinerin Nadine Koniezny erzählt von ihrem Abenteuer im Township Bridgetown.
 
„Dynamite comes in small packets”, sagte meine Gastmutter Consilia immer. Ich habe es noch im Ohr, als würde sie neben mir sitzen. Doch Südafrika liegt 10.000 Kilometer hinter mir und ich kann nur einen wehmütigen Gruß durch die Wolkenlöcher schicken. Im Ohr habe ich den Cape- Jazz von Barry Van Zyl und Erinnerungen an das Konzert im Botanischen Garten von Constantia werden wach. Drei Monate lebte ich in einer anderen Welt. Eine Welt voller Gegensätze, faszinierender Natur und unendlicher Weite. Vor mir liegt nun wieder meine Heimatstadt Berlin. Damit verbunden Familie und Freunde, die ich besonders in den letzten Tagen so sehr vermisst habe. Und hinter mir, da liegt mein ganz persönliches Abenteuer: Südafrika!
 
Es war immer mein Traum, bei „Ärzte ohne Grenzen” zu arbeiten und anderen Menschen zu helfen. Nun sollte er mit einem Volontariat in einem Kinderkrankenhaus im südafrikanischen Township Bridgetown wahr werden. Doch kurz vor dem Abflug war die anfängliche Euphorie verflogen und ich fühlte Abschiedsschmerz und Angst vor dem Ungewissen. Als mich dann meine Gastmama Consilia bei der Ankunft sofort herzlich in die Arme schloss, waren jegliche Bedenken verflogen. Ich wusste, hier würde ich mich zu Hause fühlen. Nun war ich mittendrin im südafrikanischen Leben eines Farbigen-Townships. Ich wohnte bei Consilia und Donovan mit ihren Kindern Nicole und Denzyl und arbeitete fünf Tage die Woche als Volontärin im „Sarah Fox” Kinderkrankenhaus. Mein Tag war ausgelastet mit Windeln wechseln, Tränen trocknen, Kinder füttern und mit ihnen zu spielen. Mit Krankheiten wie AIDS, TB und dem Down-Syndrom musste ich genauso umzugehen lernen wie mit den persönlichen Schicksalen der Kinder. Von den Eltern wegen Krankheit verstoßen oder missbraucht, suchen Sozialarbeiter für viele unter ihnen neue Familien. Ich musste dennoch schnell feststellen, dass die Kinder es auch faustdick hinter den Ohren haben. Da wird mit dem Essen gespielt oder beim Kartenspiel geschummelt. Manchmal kochte ich vor Wut. Doch ihr Lächeln oder ihre Umarmung gaben mir sofort das Gefühl zurück, etwas Gutes zu tun. Das war der beste Lohn für all die Mühe!
 
Die Wochenenden erkundete ich Land und Leute. Staunend stand ich in Kapstadts Long Street, hinter mir der Tafelberg und vor mir die Waterfront. Überall Musiker, Märkte, die zum Handeln einluden und fremde Menschen, die mich anlächelten. Geschockt sah ich auch die Seite der Armut. Nie zuvor habe ich Straßenszenen wie diese gesehen: Kinder, die betteln, Klebstoff schnüffeln oder die Nächte auf den Straßen verbringen. Die Kluft zwischen Arm und Reich ist immer noch unwahrscheinlich groß. In Camps Bay reihen sich die schicken Villen der Weißen aneinander und wenige Kilometer entfernt findet man die Folgen der Apartheid: Wellblechhütten, in denen die Schwarzen leben, nur einige Quadratmeter groß, ohne Strom und fließend Wasser. Noch immer sieht man überwiegend Weiße im Arbeitsalltag in der Chefetage. Ich hatte das Gefühl, die Schwarzen sind für das Grobe zuständig. Ihre Jobs: Putzfrauen, Tankwarte oder Zeitungsverkäufer. Doch viele unter ihnen wollen es dabei nicht belassen, zeigen Engagement und machen sich selbstständig. Ein wichtiger Schritt auf dem Weg aus der Armut. Consilia macht es ähnlich. So erfüllte sie sich den Traum von ihrem eigenen Restaurant „183 on Corn”. Zunächst lief es gut. Doch es fehlte an Zeit, als Consilia anfing, Volontäre und Austauschschüler in ihre Familie aufzunehmen. „Wenn ich schon nicht in die Welt hinaus kann, soll die Welt wenigstens zu mir kommen”, gibt sie lachend ihr Lebensmotto preis. Außerdem steht die Tür, ganz nach südafrikanischer Kultur, für Freunde und Verwandte immer offen. Wie sollte man da noch Zeit oder Platz für ein Restaurant haben? Kurz vor meiner Abreise bekam Consilias Traum eine zweite Chance. Gäste aus Namibia hatten sich angekündigt und spontan wurde das gesamte Haus in ein großes Restaurant verwandelt, ein Vier-Gänge- Menü der traditionellen Kap- Küche geplant, und ihr Bruder Mac Mc Kenzi, ein bekannter Jazz-Musiker, für die musikalische Unterhaltung engagiert.
 
Mit ihrer unkomplizierten und warmherzigen Art hat Consilia eine wunderbare Atmosphäre geschaffen, die alle Gäste genossen haben. Ein wahrhaft gelungener Wiederanfang für das Restaurant und mit Sicherheit ein erfolgversprechendes Rezept für die Zukunft! Drei Monate bin ich nun wieder zu Hause, noch immer mit einem lachenden und einem weinenden Auge. Ich genieße zum Beispiel nachts allein durch die Straßen gehen zu können, ohne das mulmige Gefühl, was mich im Township begleitete. Doch ich vermisse die fröhlichen Menschen. In Berlin versteckt sich jeder morgens in der U-Bahn hinter seiner Zeitung. Die Menschen in meinem südafrikanischen Zuhause strahlen eine solche Lebensfreude aus. Sie sind mit dem zufrieden, was sie haben, auch wenn es nicht viel ist. Ich bin in einer Welt voller Materialismus aufgewachsen, doch mein Abenteuer zeigte mir, dass die neueste Digitalkamera nicht alles im Leben sein kann. Das Reisen, anderen Menschen zu helfen und dabei auch noch eine völlig andere Kultur kennen zu lernen, hat mich um vieles bereichert. Ich sehe nun die Welt mit etwas anderen Augen. Wenn Sie Lust haben, die traditionelle Küche der Kap-Region in dieser herzlich familiären Atmosphäre zu probieren oder wie Nadine Ihren Traum von Afrika in Bridgetown wahr werden lassen möchten kontaktieren Sie Consilia Zwavel unter
+27 (0)21 638 2457 oder
mobil unter +27 (0)72 353 8124.