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Buchempfehlung

 
Straight Talk
Eine Buchrezension von Elgin Blüher.
 
Der typische Südafrika-Bildband lässt den Leser normalerweise in Landschaftsszenerien schwelgen. Bei „Straight Talk” ist das anders. Südafrikaner kommen in Fotoportraits selbst zu Wort – straight talk eben. Erfrischend anders ist an diesem englischsprachigen Bildband, dass die beiden deutschen Autoren Dawin Meckel (Fotografie) und Ole Keune sich eines jeglichen Kommentars enthalten.
Ein Buch ohne Autorenbrille sozusagen. Man hat das Gefühl, dabei zu sein, den Menschen aller Hautfarben und aller sozialen Schichten selbst und unvermittelt zuhören zu können. Dabei erzählen die Portraitierten über Probleme, Herausforderungen und Erfolgsgeschichten, die dieses, sich entwickelnde, Land spannend machen: Vanessa Raphaely, die Chefredakteurin des Frauenmagazins COSMOPOLITAN, über Farbenblindheit bei der Themenauswahl bzw. über die Suche nach Themen, in denen sich alle Frauen – schwarz wie weiß – wiederfinden können. Der junge Architekt Fanuel Motsepe über „Ubuntu” (Philosphie des Zusammenlebens: You are because of others) in der neuen südafrikanischen Architektur und über die Debatte, was historisch erhaltenswert ist – ein 60-jähriges Gebäude oder das viel jüngere Wohnhaus Nelson Mandelas. Ready D, DJ und aufgewachsen in District Six, über „Gangsterism” in den Kapstädter Cape Flats. Millicent Maroga, eine 20-jährige Studentin, darüber, dass auch zwischen schwarzen Studenten die Herkunft aus dem Township oder aus einem Elternhaus in Sandton (Johannesburg) Klassenunterschiede produziert. Nkhensani Manganyi, die Gründerin des Modelabels „Stoned Cherrie”, über afro-urbane Identitätsstiftung durch Mode.
 
Man trifft die Regenbogennation in einem Buch – mit all ihren hoffnungsvollen, schwierigen und unerwarteten Facetten. Sehr lesens- und anschauenswert!