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Chip und Put am Western Cape

 
Golfen am Kap
Südafrika gilt zwar nicht als Wiege des Golfsports, aber kaum irgendwo auf der Welt gibt es eine solche Dichte hervorragender Plätze. Da fällt das Entscheiden schwer. stern.de-Autor Oliver Jacobi war am Western Cape als Golf-Scout unterwegs.
 
Südafrika und besonders die Region am Western Cape liefert geradezu perfekte Bedingungen für den Sport mit 14 Schlägern, einer Tasche und, je nach Talent, mehr oder weniger Bällen. Die Landschaft bietet traumhafte Kulissen und das Wetter ist ganzjährig golfkompatibel. Auch wenn einen wahren Champion keine noch so schlechte Witterung vom Spiel abhalten kann. Schließlich sind Golfer bei weitem nicht so anspruchsvoll wie die Sonnenanbeter an den Stränden dieser Welt. Solange das Thermometer nicht dauerhaft unter die 10 Grad-Grenze fällt und das Quecksilber nicht deutlich über 30 Grad ausbricht, ist alles im grünen Bereich. Eine leichte Brise und die Nähe zum Meer runden fantastische Konditionen für das Spiel auf Fairway und Green ab.
 
Ein Haus am Platz gibt's auch dazu
An der Südwestküste Südafrikas, zirka 100 Kilometer östlich von Kapstadt liegt das "Arabella Country Estate" mit dem luxuriösen "Western Cape Hotel and Spa". Wo vor wenigen Jahren nur ein verlassenes Farmhaus stand, erstreckt sich heute die 18-Loch-Anlage des "Arabella Golf Club" malerisch zwischen den Kogelberg Mountains und der Bot River Lagune. Der Championship-Golfplatz wurde vom südafrikanischen Star-Architekten Peter Matkovich entworfen und gehört zu den besten des Landes. Breite Fairways schlängeln sich durch sanfte Hügel. Wer etwas Geld auf der hohen Kante hat, kann hier recht günstig eine von 250 Ferienvillen erwerben, die am Rand des Fairways liegen. Schon mit 150.000 Euro ist man dabei. Traurig hingegen, was für diesen Betrag in Deutschland angeboten wird. Weil das Ganze ein großer Erfolg ist, liegen schon Pläne in der Schublade den "Arabella Golf Course" durch den Mountain Course zu ergänzen. Nach einer Runde auf dem Platz können die müden Spieler im großartigen Spa-und Wellnessbereich "AcquaBella" wieder zu neuen Kräften kommen. Gäste des Resorts liegen zumindest jenseits des Golfplatzes nicht daneben. Jedes der 145 Zimmer hat einen traumhaften Ausblick auf die Lagune, den Golfplatz oder die Berge. Ein bisschen Alpenidylle im Süden Afrikas.
 
Schönste Plätze der Welt  
Der "Erinvale Golf Club" ist somit das Vornehmste, was das Kap zu bieten hat. Die Anlage zählt zu den luxuriösesten der Welt. Zwanzig Minuten von Kapstadt entfernt liegt der von Gary Player entworfene Kurs am Fuß der Helderberg Mountains in Somerset West. Er besticht durch seine dramatische Natur-Schönheit und ist eingerahmt vom gewaltigen Massiv der Hottentots Mountains, den Weinbergen des "Vergelegen Wine Estates" und vom Indischen Ozean. Die ersten neun Löcher im Tal des Lourens Flusses sind parkähnlich angelegt. Zahlreiche Wasserhindernisse und enorme Sand-Bunker erfreuen das Auge, sind aber zuweilen schlecht für das Spiel. Die zweiten neun Löcher Bahnen ziehen sich den Hang des Helderbergs hinauf, gespickt mit vielen Schräglagen und engen Fairways. Wer hier spielt sollte ein gutes Handicap und noch bessere Nerven mitbringen. Und beste Beziehungen haben: Denn spielberechtigt sind nur Gäste des angeschlossenen Hotels, Eigentümer der Immobilien am Platz und Gäste der Mitglieder. In Südafrika trifft man auch alte Bekannte aus der Heimat wieder. So nennt SAP-Gründer Hasso Plattner das "Fancourt Hotel and Country Club Estate" sein eigen, ein wirkliches Luxus-Golf-Resort im Herzen der Garden Route. Das Resort verfügt über drei paradiesisch gelegene 18-Loch Kurse, die zu den besten Südafrikas zählen. Diese drei Plätze - Montagu, Outeniqua und The Links - wurden wie Erinvale von Gary Player entworfen. Hier herrschen strenge Spielregeln. Denn Zugang zu dem Golfer-Paradies hatte lange Zeit nur, wer auch auf der Anlage wohnte. Wenn da nicht noch ein Vierter hinzugekommen wäre. Bramble Hill ist ein öffentlicher Platz nach dem Motto "Pay for Play" und eröffnet so Spielern unterschiedlicher Spielstärke die Option, Fancourt auch ohne Hotelbuchung erleben zu können.
 
Königliche Tradition und modernstes Design liegen nah beieinanderGanz traditionell geht es im "Royal Cape Golf Club" zu, dem ältesten Golfclub in Südafrika. Schon 1885 von Sir Henry D'Oyley Torrens gegründet, fand er seinen endgültigen Standort in den Cape Flats nahe Kapstadt erst 1928. Auch wenn hier heute nicht permanent gekrönte Häupter den Schläger schwingen, geht es doch wahrhaft königlich zu auf dem royalen Rasen. Der Kurs ist flach aber dennoch anspruchsvoll. Nicht zuletzt durch den oft starken Wind muss sehr taktisch gespielt werden, damit der Ball sein Ziel erreicht. Auch wenn der Score, die Anzahl der Schläge, darunter leidet, der mächtige Tafelberg im Hintergrund bietet eine unvergleichliche Kulisse und einen echten Ausgleich für verlorene Bälle.
 
Das Gegenteil von Tradition erlebt ein Spieler in "Pearl Valley", einem der jüngsten Designer-Plätze am Kap. Mitten in der Weinregion hat der Jahrhundert-Golfer Jack Nicklaus zwischen Paarl und Franschhoek einen 18-Loch-Platz der Superlative angelegt. Selbst südafrikanische Tour-Profis wie Ernie Els, Retief Goosen oder David Frost outen sich als Fans von Peal Valley. Ist der Platz doch eine hervorragende Möglichkeit einen hohen Schwierigkeitsgrad inklusive der Faszination für alle Facetten des Golfspiels in Kombination zu erleben. Eine Vielzahl Bunker, reichlich Wasser, schnelle Grüns und fast immer eine starke Brise. Die Drakenstein Mountains sorgen zudem für ein grandioses Bergpanorama. Die vielen Weingüter in der Nähe laden zu besänftigen Verkostungen ein, wenn drei Puts auf dem ein oder anderen Grün nicht genug waren. Was in Pearl Valley keine Seltenhit ist. Denn eines sollte auch der ambitionierte Amateur nie vergessen. Golf ist ein Sport, der in ersten Linie Spaß machen sollte. Übertriebener Ehrgeiz ruiniert nicht nur das eigene Spiel, sondern auch das der Mitstreiter. Die schlechte Laune danach sorgt dann noch für familiären Unfrieden und kann einem den ganzen Urlaub vermiesen. Das wäre doch wirklich ein Trauerspiel. Satte elf Stunden zu fliegen, um sich dann in einem der schönsten Länder der Erde nur mit Ärger rumzuschlagen. Ehrliche Golfer wissen, was gemeint ist! Also locker aufschlagen und mit einem netten Flight die atemberaubende Natur genießen. Mit ein wenig Haltung und der richtigen Einstellung klappt es dann auch mit Drive, Fairway, Chip und Put.
 
von Oliver Jacobi ( Stern.de )