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Südafrika ist eine multikulturelle Gesellschaft und orientiert sich im Geschäftsleben an westlichen Gepflogenheiten. Dennoch gibt es eine Reihe an Besonderheiten zu beachten. Bestimmte Themen gelten als brisant und sollten gemieden werden, will sich der Deutsche nicht dem Risiko aussetzen, in ein „Fettnäpfchen“ zu treten.
 
Südafrika wird durch eine multikulturelle Gesellschaft geprägt. Der letzte Zensus (2001) spricht von 79,0% Afrikanern, 9,6% Weißen, 8,9% Farbigen (Coloured) und 2,5% Asiaten (vornehmlich Indern). Gesprochen werden eine Vielzahl von Sprachen, von denen elf offiziell anerkannt sind.
 
Rund 23,8% der Bevölkerung, so der letzte Zensus, sprechen als Muttersprache IsiZulu, 17,6% IsiXhosa und 13,3% Afrikaans. Englisch ist nur für 8,2% der Bevölkerung die erste Sprache, für eine große Mehrheit aber die Zweitsprache. Im Geschäftsleben wird überwiegend Englisch, in bestimmten Gegenden auch Afrikaans gesprochen. Das persönliche Wertesystem ist stark von der jeweiligen ethnischen, kulturellen und religiösen Zugehörigkeit geprägt.
 
Das Zeit- und Terminempfinden eines Südafrikaners kann nicht generell beurteilt werden, es richtet sich in erster Linie nach dem persönlichen Wertesystem des Gesprächspartners und seiner Ausbildung. Pünktlichkeit wird vor allem von der Bedeutung bestimmt, die einem Anlass beigemessen wird. So werden reine Geschäftstermine zum Beispiel im Büro eines Partners von allen Seiten meist präzise eingehalten, während es bei einer Einladung zum Grillvergnügen am Wochenende durchaus üblich ist, dass Gäste mit mehrstündiger Verspätung erscheinen. Südafrikanische Geschäftsleute entschuldigen sich in der Regel zeitig, wenn sie einen zugesagten Termin nicht einhalten können oder sich voraussichtlich verspäten.
 
Mitunter völlig anders beurteilen Landeskenner das langfristige Zeitempfinden vieler Südafrikaner. Aussagen wie "in einer Woche haben wir dies im Griff" oder "in zwei Jahren läuft das Projekt zu hundert Prozent" werden häufig schnell geäußert, ohne dass man sich genau überlegt, ob solche Zeitvorgaben überhaupt eingehalten werden können. Kritische Landeskenner bemängeln auch die Tendenz zur Großspurigkeit.
 
Nach dem Weltbild einiger Bevölkerungsgruppen ist Südafrika der einzige Industriestaat und die einzige Kulturmacht südlich der Sahara und damit, überspitzt formuliert, der Nabel der Welt. Vor allem gegenüber Vertretern aus anderen afrikanischen Staaten treten Südafrikaner, egal welcher Rassenzugehörigkeit, mitunter geradezu arrogant auf.
 
Wie kaum in einem anderen Land der Welt ist in Südafrika ein Auto das ultimative Statussymbol. Wer einen neuen Job angenommen hat, läuft oft genug schon mit dem ersten Gehaltszettel zum Autohändler, um auf Kredit einen der Position "angemessenen" Wagen zu kaufen. Es ist völlig "normal", wenn man für seinen privaten Fuhrpark genauso viel ausgibt wie für sein Haus. Die arme Bevölkerung fährt die Autos allerdings bis zum bitteren Ende. Bescheidenes Sparen ist keine südafrikanische Tugend. Diesem entsprechend ist mitunter das Auftreten bei Geschäftsverhandlungen: "Das machen wir schon" und "kein Problem" lauten viele Standardsätze. Dies sind dann noch nicht einmal reine Floskeln, sondern durchaus Aussagen, zu denen viele Südafrikaner in ehrlicher Überzeugung stehen - auch wenn sich diese Versprechen später als unhaltbar herausstellen.
 
Im unternehmerischen Hierarchiegefüge ist die Zuvorkommenheit hervorzuheben, mit der in Südafrika Frauen begegnet wird. So ist es beispielsweise durchaus üblich, dass der Direktor der Auszubildenden die Türe aufhält. Nicht unbedingt erwartet wird dagegen, dass der Auszubildende oder der schwarze Pförtner den Direktor zuerst grüßt. In der alten Stammestradition darf der Häuptling oder ein Älterer nie zuerst angesprochen werden. Nur wenn dieser zuerst grüßt, muss erwidert werden. Regionale Besonderheiten erklären sich ausschließlich aus der Konzentration verschiedener ethnischer Gruppen in bestimmten Gebieten, wie dem hohen indischen Bevölkerungsanteil in Durban.
 
Höflichkeit und Stil südafrikanischer Gesprächspartner sind oft recht unterschiedlich. Es gibt sowohl den britisch geprägten Gentleman, der auch am britischen Königshof eine gute Figur abgeben würde, als auch den in seiner Sprache wenig geschliffenen Geschäftsmann, der in jedem zweiten Satz ein "bloody" oder andere, noch unschicklichere Worte verwendet.
 
Südafrikanische Geschäftsleute kleiden sich je nach Betätigungsfeld, Branche und Rang unterschiedlich. Die Bandbreite reicht vom Kakihemd, kurzen Pfadfinderhosen und langen Kniestrümpfen über den Freizeitlook bis zum schwarzen Anzug. Männliche Mitarbeiter in großen Bürogebäuden, und dies sind oft die Gesprächspartner ausländischer Geschäftsreisender, kleiden sich meist konservativ: Weißes Hemd mit langem Arm, Krawatte, dunkelgrauer oder schwarzer Anzug, schwarze Schuhe. Modische Anzüge aus Westeuropa sieht man nur selten - nicht zuletzt wegen eines fehlenden bzw. unbezahlbaren Angebots. Die südafrikanische Geschäftsfrau kleidet sich derweil oft in traditionellem englischen "Chic".
 
Von europäischen Geschäftspartnern wird nicht unbedingt erwartet, dass sich diese der südafrikanischen Mode beugen, sofern sie dezent gekleidet sind. Beim Herrn sind auch bei größerer Hitze Schlips und Sakko ein Muss. Die Jacke kann dann aber am Beginn der Geschäftsverhandlung abgelegt werden. Sandalen sind bei Herren völlig indiskutabel. Für Körperverhalten und Körpersprache gelten die gleichen Regeln wie in Westeuropa.
 
Bevorzugtes Gesprächsthema in der privaten Konversation ist der Sport - bei Weißen Rugby, Kricket, Golf und Tennis, bei Schwarzen Fußball mitunter auch Golf. Fast alle Südafrikaner sind "verrückt" nach Sport und lieben es deshalb darüber zu sprechen - ein sehr unverfängliches Thema für einen Small Talk. Weiße Südafrikaner unterhalten sich auch gerne über die Schönheiten des Landes, Ausflugsmöglichkeiten, Naturparks, die Gartenroute an der Ostküste, Kapstadt und die angrenzenden Weingebiete.
 
Ein schwieriges Thema ist die afrikanische Politik. Wer hierzu eigene Gedanken beitragen will, sollte sehr gut Bescheid wissen, andernfalls lieber interessiert zuhören. Im Gespräch mit Schwarzen sollte das Thema am besten ganz gemieden werden. Die Themen Rassismus und Religionen eignen sich nicht für das private Gespräch. Wer unbedingt Witze zum Besten geben will, sollte zuvor beachten, dass die südafrikanische Gesellschaft zum Teil noch vom Kalvinismus geprägt ist. Darüber hinaus ist zu berücksichtigen, dass unterschiedliche Kulturkreise auch Unterschiedliches witzig finden.
 
Ungünstig für Geschäftsbesuche sind lange Wochenenden, die mitunter durch zusätzliche Urlaubstage verlängert werden. Der Südafrikaner liebt seine Freizeit und nutzt meist jeden sich bietenden Brückentag. Die gesetzlichen südafrikanischen Feiertage sind der 1. Januar (Neujahr), 21. März (Menschenrechtstag), Karfreitag, Ostermontag, der 27. April (Freiheitstag), 1. Mai (Tag der Arbeit), 16. Juni (Tag der Jugend), 9. August (Tag der Frau), 24. September (Tag des nationalen Erbes), 16. Dezember (Tag der Versöhnung), 25. und 26. Dezember (Weihnachten). Fällt ein gesetzlicher Feiertag auf einen Sonntag, so wird er am nächsten Werktag (Montag), nachgeholt. Spezielle Bankfeiertage gibt es nicht. Die offiziellen Feiertage haben einen unterschiedlichen Stellenwert. Juden, Muslime und Hindus beachten ihre eigenen religiösen Feiertage, auch wenn diese keinen offiziellen Charakter haben.
 
Südafrika verfügt über eine Deutsche Industrie- und Handelskammer für das südliche Afrika. Das südafrikanische Verbandswesen ist derweil erst im Aufbau. Die große Masse der Verbände sind reine Interessengemeinschaften, bei denen kaum Informationen oder gar Dienstleistungen abgefragt werden können. Welche positive Rolle ein funktionierendes Verbandswesen für die gesamte Volkswirtschaft haben kann, wurde in Südafrika immer noch nicht ausreichend erkannt. Es gibt aber auch löbliche Ausnahmen wie zum Beispiel die Verbände der Kfz-Industrie und der Kfz-Teilehersteller.
 
Deutschland ist in der Hauptstadt Pretoria mit einer Botschaft sowie in Kapstadt, Durban und Port Elizabeth mit einem Konsulat beziehungsweise Honorarkonsul vertreten. Stärke der Botschaft sind ihre besonderen Kontakte zur südafrikanischen Regierung und halbstaatlichen Stellen. So folgen einer Botschaftereinladung unter Umständen auch hochrangige Personen der südafrikanischen Regierung, die eine private Einladung sonst nicht ohne weiteres annehmen würden. Mit Hilfe der Botschaft können mitunter Türen geöffnet werden, die sonst verschlossen bleiben.
 
Ein guter Partner und Berater bei der Kontaktaufnahme und Zusammenarbeit mit Geschäftspartnern ist das Bankwesen. Südafrika verfügt über eine Reihe eigener professioneller Banken, die vor allem im "corporate business" ein internationales Niveau erreichen. Die wichtigsten Großbanken des Landes sind die First National Bank, Nedbank Group, Standard, Absa und Investec. Deutsche Banken sind mit einer eigenen Filiale durch die Commerzbank und die Deutsche Bank (nur Investment Banking) vertreten, während Dresdner Bank und Westdeutsche Landesbank nur Repräsentanzen unterhalten.
 
Wo die erste Begegnung zwischen einem ausländischen und einem in Südafrika ansässigen Geschäftspartner stattfindet, hängt entscheidend von der Zielsetzung des Treffens ab. Ist es der ausländische Geschäftspartner, der mit einem südafrikanischen Unternehmen zusammenarbeiten möchte, findet das erste Meeting meist im Büro des Gesprächspartners statt. Wird der ausländische Gast als zumindest halbwegs wichtig angesehen, dann holt man ihn in seinem Hotel ab. Ein erstes Treffen im Restaurant oder im Hotel des Besuchers ist im vorgenannten Fall eher unüblich. Nicht gerne gesehen werden ausländische Geschäftsreisende, die unter Hinweis auf ihren knappen Terminkalender in ihrem Hotel "Hof halten" möchten. Völlig anders ist die Situation dagegen, wenn es vor allem um die Interessen des südafrikanischen Unternehmens geht. In diesem Fall wird sich der ausländische Gast den geeigneten Treffpunkt aussuchen können.
 
Wer mit einem südafrikanischen Gesprächspartner einen Termin vereinbaren will, kann sich in aller Regel von dessen Sekretärin direkt durchstellen lassen. Es ist üblich, Gesprächstermine schon vor der Anreise nach Südafrika zu vereinbaren. Dank hervorragender Telekommunikationsverbindungen ist dies problemlos möglich. Ein südafrikanischer Geschäftsmann verfügt grundsätzlich über Telefon, Fax, Handy und E-Mail-Adresse und erwartet gleiches auch von einem ausländischen Geschäftspartner. Die Kontaktaufnahme per Post kann nur mit Einschränkungen empfohlen werden, weil Briefe in Südafrika eher langsam und nicht immer zuverlässig zugestellt werden, dabei gehen Sendungen an Straßenanschriften häufiger verloren als Sendungen an Postfächer.
 
Zwar verfügen fast alle südafrikanischen Geschäftsleute mittlerweile über eine E-Mail-Adresse, aber nicht jeder schaut täglich nach. Auch in den Vorzimmern geht mitunter manches verloren. Wer per Fax oder E-Mail wichtige Schreiben versendet, sollte bei der Sekretärin des Partners sicherheitshalber noch einmal anrufen, um nachzufragen, ob die Nachrichten auch angekommen sind, bei E-Mails sollte eine elektronische Empfangsbestätigung anfordert werden. Für den Postversand von Südafrika nach Europa kann auf das private Unternehmen PostNet zurückgegriffen werden, das einigermaßen schnell, zuverlässig und überaus preiswert arbeitet.
 
Auch in Südafrika sind mittlerweile Anrufbeantworter stark verbreitet. Wer unter einer Handy-Nummer den Teilnehmer nicht erreicht, kann ebenfalls eine Nachricht hinterlassen. "Wir rufen Sie gleich zurück", heißt es dann in der Ansage. Der gleiche Satz ist auch Standard jeder Sekretärin, wenn der Chef nicht erreichbar ist. Zurückgerufen wird allerdings nur sehr selten, weshalb eher ein empfohlener Zeitpunkt für den eigenen Rückruf genutzt werden sollte. Problematisch ist häufig die Kontaktaufnahme mit öffentlichen Stellen. Bei diesen kann es "Ewigkeiten" dauern, bis man telefonisch mit der richtigen Person verbunden ist. Wer von Deutschland aus zeitig einen Gesprächstermin vereinbart hat, sollte diesen nach der Ankunft in Südafrika sicherheitshalber noch einmal telefonisch rückbestätigen.
 
Südafrikanische Geschäftspartner sind bei Geschäftsbesprechungen pünktlich und erwarten dies auch von ihren Besuchern, vor allem aber von deutschen Geschäftsleuten, weil diese im Ruf stehen, es bei der Pünktlichkeit sehr genau zu nehmen. Die großen Städte Südafrikas verfügen über gute Straßen, die in der Regel nur zur morgendlichen und abendlichen Rush Hour verstopft sind. Letzteres ist vor allem auf der Verkehrsachse Johannesburg - Pretoria ein erhebliches Problem. Der Ballungsraum Johannesburg - Pretoria sowie Kapstadt und Durban ziehen sich in die Breite, was bei der Planung der Fahrzeit berücksichtigt werden muss. Außerhalb der Verkehrsspitzenzeiten kann mit einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 40 bis 55 km/h kalkuliert werden. Als Zeitrahmen für eine erste Begegnung können eine Stunde bis eineinhalb Stunden angesetzt werden.
 
Schon bei der ersten persönlichen Begegnung - und bei der Wahl der englischen Sprache - nennt man sich in Südafrika oft beim Vornamen, gelegentlich auch schon bei der ersten telefonischen Kontaktaufnahme. Man sollte sich deshalb sowohl bei der ersten telefonischen als auch bei der ersten persönlichen Begegnung mit Vor- und Nachnamen vorstellen. Redet man sich einmal mit dem Vornamen an, bleibt man dabei. Es sollte bekannt sein, dass das englische "you" auch in Verbindung mit dem Vornamen bei Geschäftskontakten nicht mit dem deutschen "du" zu übersetzen ist. Eine laxere Wortwahl und eine "Verbrüderung" sind mit dem "you" oder der Anrede mit dem Vornamen nicht automatisch verbunden.
 
Das Begrüßungsritual ist knapp. Unter Männern reicht ein kurzer fester Handschlag. Der Hinweis "fest" ist wörtlich zu nehmen: Viele Südafrikaner treiben regelmäßig Sport oder frequentieren ein Fitness-Studio - einem "Waschlappen" gibt niemand gern die Hand. Ein schwarzer Partner wird mitunter drei aufeinanderfolgende Handschläge anbieten, zuerst den üblichen europäischen, dann einen mit aufgestellter Hand und wieder den europäischen. Dies ist Ausdruck einer besonderen Wertschätzung. Männer grüßen Frauen nicht unbedingt mit Handschlag, sondern mitunter nur mit einem freundlichen Kopfnicken. Dies gilt vor allem für die Buren (neusprachlich "Afrikaander"; der Begriff Bure wird in Südafrika nicht gerne verwendet) und Inderinnen. Begrüßt man sich mit Handschlag sollte auch die Frau feste zugreifen, der Mann die Demonstration seiner Stärke aber zügeln.
 
Nach der Begrüßung reichen zwei, drei Sätze zum guten Wetter, einer Anerkennung des imposanten Firmeneingangs oder einem Dankeswort für die gute Wegbeschreibung, bevor das Geschäftsgespräch mit dem Austausch der Visitenkarten eingeleitet werden kann. Nach Möglichkeit sollte auf der Rückseite der Visitenkarte eine englische Fassung vorhanden sein. Der ausländische Gesprächspartner ist gut beraten, kurz seine Position sowie seinen Zuständigkeitsbereich zu erläutern und Auskunft über die Aktivitäten seines Unternehmens zu geben. Danach kann dann gleich tiefer ins "Business" eingestiegen werden.
 
Wer Briefe, Firmenunterlagen und Informationsmaterial mitbringt, muss darauf achten, dass alles in korrektem Englisch abgefasst ist. Dies gilt auch für den allgemeinen Schriftverkehr mit Südafrika. Wer mit deutschen Texten kommt, braucht sich nicht zu wundern, wenn diese schnell im Papierkorb landen und das Interesse des südafrikanischen Geschäftspartners angesichts solcher Gedankenlosigkeit spürbar abnimmt. Teure Geschenke sind eher unüblich.
 
Geschäftsessen werden bevorzugt auf den Mittag verlegt - abends geht ein Südafrikaner eher früh zu Bett, Buren sogar sehr früh. Akzeptabel sind auch Verabredungen zum Frühstück. Zum Mittagessen trifft man sich in einem guten, meist traditionellen Restaurant mit internationaler Küche oder zum Beispiel in einem Golf- oder Country-Club, auf keinen Fall aber in einem Tennisclub. Einen Tennisplatz hat man auf dem eigenen Grundstück, nur weniger gut Betuchte müssen zum Spielen in einen Verein gehen. Restaurants sollten vorgebucht werden. Zum Frühstück kann man auch in einen der zahlreichen Coffee Shops gehen. In diesen sitzen viele Südafrikaner gerne draußen, auch wenn es an einem Wintermorgen recht kalt werden kann. Wer raucht, muss ohnehin meist draußen sitzen, weil Rauchen nur im Freien oder in speziellen Raucherzimmern gestattet ist.
 
Besondere Regeln müssen beim Essen nicht beachtet werden. Die wichtigsten westlichen Grundregeln des "zivilisierten Essens" gelten auch in Südafrika. Das Benehmen bei Tisch variiert mitunter stark. Wer die Regeln beherrscht und beachtet, dem fällt schnell unangenehm auf, wer eine weniger gute Erziehung genossen hat. Trinksprüche sind unüblich. Eine Tischrede gibt es nur bei besonderen Anlässen. Auf eine ausgefeilte Tischordnung wird kein Wert gelegt. Wer als Gastgeber dennoch Plätze zuweisen möchte, sollte Ehepaare nicht allzu entfernt von einander setzen. Buren-Ehepartner sitzen bevorzugt nebeneinander.
 
Auch in Südafrika wartet man bei einem formellen Essen bis der Gastgeber mit dem Speisen beginnt oder hierzu auffordert. Mit dem Trinken kann jedoch sofort begonnen werden, ein "Prost" des Gastgebers kommt nur in den seltensten Fällen. Bei Tisch wird immer wieder nachgeschenkt. Beim Mittagessen wird moderat getrunken, beim Abendessen mitunter auch kräftig.
 
Geschäftsbesprechungen werden zügig und konzentriert durchgeführt und nur selten durch Telefongespräche oder Personen unterbrochen. Sind alle geschäftlichen Themen abgehakt, ergibt sich meist die Überleitung zu einer kurzen privaten Konversation. Dann kann es gut sein, dass man sich nach zwei bis drei nicht-geschäftlichen Sätzen verabschiedet, oder es ist auch durchaus üblich, dass sich ein nichtgeschäftliches Gespräch noch etwa 15 Minuten hinzieht. Südafrikanische Geschäftsleute freuen sich durchaus über interessante Besucher aus Europa.
 
Geschäftssprache ist Englisch, es sei denn, der südafrikanische Gesprächspartner schlägt von sich aus eine andere Sprache vor. Wer als ausländischer, insbesondere als westeuropäischer Besucher die englische Sprache nicht gut beherrscht, sollte lieber zu Hause bleiben. Geschäftsleute, die mit Dolmetscher anreisen oder mit regionalem deutschen Akzent ein brüchiges Schulenglisch zum Besten geben, werden kaum als internationale Partner ernst genommen.
 
In Bezug auf den Auftakt einer Geschäftsbesprechung und die verwendeten Anreden gelten, abgesehen von den schon zuvor genannten Hinweisen, keine besonderen Regeln. Mehr als 80% aller südafrikanischen Geschäftspartner sind Weiße. Üblich sind sachliche und professionell geführte Gespräche, ein Hang zu langem Palaver ist nur selten anzutreffen. Bezüglich Themenfolge, Zeitrahmen, Atmosphäre sowie Verhandlungsstil, -kultur und -strategie unterscheidet sich eine südafrikanische Besprechung kaum von einer in Westeuropa geführten. Nur bei indischen Geschäftspartnern fällt mitunter auf, dass diese in ihrer Mentalität und ihrem Wertesystem zum Teil noch sehr am Mutterland hängen. Anders als in Deutschland werden bei Geschäftsbesprechungen fast immer Getränke, meist Tee oder Kaffee sowie ein Glas Wasser angeboten.
 
Bestimmte Themen gelten als brisant und sollten gemieden werden, will man sich nicht dem Risiko aussetzen, in ein "Fettnäpfchen" zu treten. Vorsicht ist vor allem bei den Themen Rassismus und afrikanische Politik angebracht - Besserwisserei sollte in jedem Fall vermieden werden. Südafrikaner sind Stolz auf ihre industriellen Errungenschaften, ihr Know-how und ihre Infrastruktur und werden nicht gerne an ihre Unzulänglichkeiten erinnert. Engländer erweisen sich mit ihrer vornehmen Zurückhaltung oft als sehr viel bessere Verhandlungsführer als deutsche Geschäftsreisende.
 
In Bezug auf die Entscheidungsträger ist darauf hinzuweisen, dass auch in der Hierarchie eher niedrig angesiedelte Gesprächspartner über einen im internationalen Vergleich sehr viel höheren Entscheidungsspielraum verfügen. Ursache ist der erhebliche und zunehmende Mangel an Fach- und Führungskräften im Land - unter anderem eine Folge des unzulänglichen beruflichen Ausbildungswesens und der Abwanderung. Das alte Vorurteil, schwarze Manager hielten nur Alibifunktionen inne, hatte vielleicht eine Berechtigung kurz nach der politischen Wende, inzwischen aber weitestgehend nicht mehr; auch wenn sich über Erfahrung und Kompetenz im Einzelfall sicherlich noch streiten lässt.
 
Im öffentlichen Sektor geht es - vor allem im afrikanischen Kontext - vergleichsweise korrekt zu. Auch wenn hohe Funktionsträger häufig den Eindruck vermitteln, selbst entscheiden zu können, liegt die eigentliche Macht für Vertragsabschlüsse und Beschaffungen bei den "Tender Boards" und besonderen Ausschüssen. Diese werden, weil es zu wenige schwarze Fachleute gibt, weiterhin stark von Weißen beeinflusst. Wer auf die Entscheidung von Ausschreibungen einen positiven Einfluss nehmen will, kann dies noch am besten dadurch tun, dass er der damit betrauten Stelle mit seinem Fachwissen hilft, die Ausschreibung vorzubereiten. Ohne einen schwarzen so genannten Black-Economic-Empowerment-Partner hat man bei einer öffentlichen Ausschreibung de facto keine Chance.
 
Im Transparency-Index von 2005, der eine Einschätzung von Geschäftsleuten und Länderanalysten zum Korruptionsgrad eines Landes widerspiegelt, liegt Südafrika auf Rang 46. Damit wird das Land ähnlich eingeschätzt wie Tunesien, Kuwait, Tschechien und Griechenland.
 
Grundsätzlich liebt der Südafrikaner das offene Haus. Gegenüber Ausländern ist jedoch von Seiten alteingesessener Südafrikaner mitunter eine gewisse Zurückhaltung zu spüren - oft im Gegensatz zu "Neusüdafrikanern", die noch vor ein paar Jahrzehnten selbst Ausländer waren. "Alte" Südafrikaner laden einen Geschäftspartner deshalb, wenn überhaupt, privat nur zu einem Restaurant oder einem Club ein. Erst wenn es eine vertiefte Beziehung gibt, kann mit einer Einladung am Wochenende nach Hause zum "Braai" gerechnet werden, einem geselligen Zusammensein mit Grillgut und Bier.
 
Anzumerken sei an dieser Stelle, dass englischsprechende Ausländer eigentlich nur drei südafrikanische Worte lernen müssen. Das eine ist "Robot", die südafrikanische Bezeichnung für eine Verkehrsampel, "Biltong", getrocknete Fleischstückchen oder -scheibchen, die gerne zum Bier gereicht werden, sowie "Braai", ein Wort, das nach südafrikanischem Verständnis nicht übersetzt werden kann, auch wenn Wörterbücher die Begriffe Grillen oder Barbecue anbieten. Das "Braaien" ist ausschließlich Männersache und wird zelebriert. Aus westeuropäischer Sicht wird das Braaigut über eher kleiner Hitze gegart oder im geschlossenen Braaigerät geräuchert, was zu einer relativen Austrocknung des Fleisches führt. Der ausländische Besucher sollte sich jedweder Bemerkung, die als Kritik interpretiert werden könnte, enthalten.
 
Ein solcher Braai am Wochenende ist eine sehr legere Angelegenheit. Auch hochrangige Gastgeber laufen im Sommer mit Shorts und Sandalen herum und trinken das Bier mitunter direkt aus der Dose. Die Veranstaltung zieht sich meist von 13 Uhr bis 18 Uhr hin, dabei wird oft erst um 15 Uhr gegessen. Wer die südafrikanische Braaikultur über die letzten beiden Jahrzehnte beobachtet hat, dem fällt auf, dass es mit dem einstigen Überfluss vorbei ist. War noch vor 15 Jahren an jedem Wochenende ein Braai mit Bergen von bestem Fleisch angesagt, so ist heute alles weniger geworden: Weniger Braais, kleinere Fleischportionen, mehr Bratwürste (Boerewors) und weniger Filets. Zunehmend üblich werden auch "bring and braai", eine Veranstaltung, wo jeder sein eigenes Fleisch mitbringt.
 
Südafrikanische Gastgeber sind ausländischen Gästen gegenüber meist sehr zuvorkommend. Sie holen diese im Hotel ab und fahren sie auch wieder zurück. Man fährt lieber einen Umweg, als dem Gast ein paar Schritte zu Fuß zuzumuten. Dies war auch schon so, als der Kriminalitätsaspekt nicht zu berücksichtigen war. Obwohl Gastfreundschaft und Hilfsbereitschaft in Südafrika tendenziell abnehmen, wird ihnen weiterhin ein größerer Stellenwert beigemessen als zum Beispiel in Deutschland.
 
Im privaten Umgang sind keine besonderen Respektsbezeugungen zu beachten. "Fettnäpfchen" gibt es mehrere, konzentrieren sich aber auf die ohnehin zu meidenden Themenbereiche Rassismus, Politik und Religion. Es gibt keine "heiligen Kühe". Vorsicht ist gegebenenfalls beim Thema Auswanderung angesagt. Viele Weiße, vor allem solche mit ausländischer Staatsangehörigkeit, machen sich ernsthafte Gedanken darüber, ob sie oder zumindest ihre Kinder noch eine Zukunft in Südafrika haben. Wer allerdings keinen ausländischen Pass hat, nicht mehr ganz jung ist oder kein hohes Vermögen hat, ist auch in den bekannten Einwanderungsländern nicht willkommen und wird deshalb nur sehr ungern hierüber reden.
 
Der Umgang zwischen den Geschlechtern ist aus westeuropäischer Sicht mitunter etwas verkrampft. Oft genug stehen Männer in einer Ecke und Frauen sitzen in einer anderen. In der Wortwahl sind Südafrikaner oft freizügig, in ihrem Verhalten aber oft eher prüde. Dies gilt vor allem für die Buren mit kalvinistisch-geprägter Weltanschauung, für Personen indischer Abstammung sowie für ältere Personen.
 
Das Freizeitverhalten wird bei vielen durch Sport bestimmt. Ausgeübt werden alle denkbaren Ballsportarten sowie Joggen und Fischen. Alle größeren südafrikanischen Städte verfügen über eine breite Palette von preiswerten Sportclubs und Fitnessstudios. Etwas tiefer in die Tasche muss nur bei prestigeträchtigen Golfclubs gegriffen werden. Für einen ausländischen Geschäftspartner ist es am wahrscheinlichsten, dass er zu einer Runde Golf eingeladen wird.
 
Quelle: Handelblatt    Von Carsten Ehlers und Martin Böll, bfai