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Elefanten Natur Reservat

Nashorn

 
 
Breitmaulnashorn
Das Breitmaulnashorn (Ceratotherium simum) ist auch als Weißes Nashorn bekannt. Dies ist auf einen Übersetzungsfehler zurückzuführen: Das Breitmaulnashorn wurde von den Buren als wijde (breit) bezeichnet, die Briten verstanden allerdings white (weiß). Das Breitmaulnashorn hat eine Kopfrumpflänge von bis zu 4 m, eine Schulterhöhe von ca. 1,80 m und ein Gewicht von 1.400 bis 3.500 kg. Es ist damit die größte aller Nashornarten. Als Unterscheidungsmerkmale zum Spitzmaulnashorn (Diceros bicornis) hat das Breitmaulnashorn große Spitzohren, ein breites, stumpfes Maul und einen auffallenden Nackenhöcker. Der Geruchssinn ist der wichtigste Sinn; Ohren und Augen spielen dagegen untergeordnete Rollen. Wie das Spitzmaulnashorn kann es auf eine Entfernung von 20 m kaum noch etwas erkennen.
 
Das Südliche Breitmaulnashorn (C. s. simum) lebte einst in einem Gürtel, der von Angola und Namibia über Botswana und Simbabwe nach Mosambik und KwaZulu-Natal. Heute ist es über zahlreiche Schutzgebiete des südlichen Afrikas fragmentarisch verstreut. Das Breitmaulnashorn bevorzugt als Grasfresser ein mit Gras und niedrigem Buschwerk bepflanztes Gelände. Die Unterlippe hat eine hornige Kante, die die fehlenden Schneidezähne ersetzt und beim Äsen des Grases behilflich ist. Aktiv ist das Breitmaulnashorn vorwiegend in der Dämmerung; tagsüber schläft es.
 
Breitmaulnashörner sind nicht so strikte Einzelgänger wie andere Nashornarten. Ältere Bullen leben allerdings allein und haben ein festes Revier von 1-8 km² Größe. Dieses Territorium wird gegen andere Bullen verteidigt, allerdings sind ernsthafte Kämpfe selten und kommen höchstens beim Werben um eine Kuh vor. Junge Bullen und andere Kühe werden oft im Revier geduldet. Die jüngeren Bullen finden sich zu losen Verbänden zusammen und wandern manchmal gemeinsam mit Kühen, wenn diese keinen Nachwuchs haben. Normalerweise sieht man Kühe aber mit ihrem Kalb. Die Tragzeit beträgt 16 Monate, danach wird ein ca. 40 kg schweres Kalb geboren, das der Mutter immer vorangeht. Es wird etwa ein Jahr gesäugt und bei Geburt des nächsten Kalbes vertrieben. Mit fünf Jahren sind Breitmaulnashörner geschlechtsreif, allerdings sind Bullen erst im Alter von über zehn Jahren kräftig genug, um sich gegen konkurrierende Bullen durchzusetzen und sich mit einer Kuh zu paaren.
 
Das Breitmaulnashorn ist weniger aggressiv als das Spitzmaulnashorn. Berichten zufolge kann sich ein Mensch bis zu 10 m einem Breitmaulnashorn nähern, ohne dass es angreift. Hierdurch wird es besonders leicht zu jagen. Die südliche Unterart hielt man 1893 für ausgerottet, ehe man eine kleine Restpopulation von zehn Tieren in Natal fand. Von diesen stammen alle Südlichen Breitmaulnashörner unserer Tage ab. Bis in die 1970er wuchs der Bestand im Hluhluwe-Umfolozi Game Reserve auf 1000 Tiere und verdoppelte sich noch einmal bis 1980 auf 2000, bis 1990 auf 4000 und erreichte im Jahr 2001 eine Zahl von 11.000 Tieren. Die IUCN stuft das Südliche Breitmaulnashorn daher nun als wenig gefährdet (near threatened) ein. 95 % aller frei lebenden Breitmaulnashörner sind auf dem Territorium Südafrikas zu Hause; außerdem wurde eine Gruppe in Kenia eingeführt, wo es ursprünglich überhaupt keine Breitmaulnashörner gegeben hatte.
 
Das Nördliche Breitmaulnashorn wurde erstmals 1903 wissenschaftlich beschrieben. Zu jener Zeit war es noch zahlreich vertreten. Großwildjäger schafften es binnen weniger Jahrzehnte, die Unterart überall auszurotten mit Ausnahme des Garamba-Nationalparks, wo 1963 tausend Breitmaulnashörner unter strengem Schutz lebten. In dieser Zeit begann allerdings die starke Nachfrage nach Hörnern wegen ihrer angeblichen Heilkraft in der traditionellen chinesischen Medizin (TCM), sowie wegen der Begehrtheit von Nashorndolchen als Status- und Männlichkeitssymbol bei der Oberschicht Jemens. Die Bereitschaft der Käufer in Ostasien und Jemen, selbst höchste Preise für illegal importierte Hörner zu zahlen, macht die Wilderei trotz aller Risiken staatlicher Verfolgung zu einem lohnenden Geschäft. Während wegen der relativen Stabilität die südlichen Breitmaulnashörner Südafrikas nie in solchem Ausmaß von Wilderei betroffen waren, konnte Zaire (später Demokratische Republik Kongo) keinen vergleichbar wirksamen Schutz liefern. Der Bürgerkrieg im Kongo, der seit 1997 ununterbrochen tobt, erschwerte die Schutzmaßnahmen. Eine Zählung im Jahr 2002 fand noch 27 Breitmaulnashörner im Garamba-Reservat. Nach Angaben der IUCN ist das Gebiet momentan (2004) nicht vom Bürgerkrieg betroffen und wird von Wildhütern wieder gegen Wilderer verteidigt; da sich dies aber jederzeit ändern kann, gilt die Unterart als stark gefährdet (critically endangered) und weiterhin als unmittelbar vom Aussterben bedroht.
 
Spitzmaulnashorn
Das Spitzmaulnashorn hat eine Kopfrumpflänge von bis zu 350 cm, eine Schulterhöhe von 160 cm und ein Gewicht von 800 bis 1.500 kg. Damit ist es die kleinere der beiden afrikanischen Nashornarten. Es hat zwei Hörner, das vordere ist etwas länger (50 cm, in seltenen Fällen über 1 m). Als Unterscheidungsmerkmale zum Breitmaulnashorn (Ceratotherium simum), der nächstverwandten Art, dienen der verhältnismäßig gedrungene Schädel, zwei tief angesetzte Hörner und die fingerförmige Oberlippe des Spitzmaulnashorns.
 
Der Name „Schwarzes Nashorn“ ist eine Entlehnung aus dem Englischen; dort wurde das „black rhinoceros“ als Gegenstück zum „white rhinoceros“ benannt, doch beide Nashornarten sind in Wahrheit dunkelgrau und farblich nicht zu unterscheiden. Zustande kamen diese irreführenden Namen durch eine Fehlübersetzung aus dem Afrikaans, wo wijde „breit“ bedeutet, aber mit „white“ bzw. „weiß“ übersetzt wurde. Die deutschen Benennungen Breit- und Spitzmaulnashorn sind dagegen korrekte Übersetzungen aus dem Afrikaans und sollten daher bevorzugt werden. Diese Namen beziehen sich auf die Oberlippe: Das Spitzmaulnashorn hat eine zum Greifen befähigte Oberlippe, mit der Laub abgerupft werden kann, während das Breitmaulnashorn eine flache Lippe hat, die an das Äsen von Gras angepasst ist. Spitzmaulnashörner haben einen exzellenten Geruchssinn und ein gutes Gehör. Die Augen sind dagegen von untergeordneter Bedeutung; auf eine Entfernung von 20 m kann ein Nashorn kaum noch etwas erkennen.
 
Einst war das Spitzmaulnashorn in allen afrikanischen Savannen verbreitet; es war damit immer viel weiter verbreitet als das Breitmaulnashorn. Heute gibt es wilde Bestände nur noch in Kenia, Tansania, Simbabwe, Namibia und Kamerun; wieder eingeführt wurde das Spitzmaulnashorn in Südafrika, Malawi, Swasiland und Rwanda, nachdem es dort bereits ausgerottet worden war.  Während das Breitmaulnashorn die offene Grassavanne bewohnt, bevorzugt das Spitzmaulnashorn die Dornbuschsavanne oder Waldränder. Wasserstellen müssen in der Nähe verfügbar sein.
 
Wie alle Nashörner ist das Spitzmaulnashorn ein Einzelgänger. Es ist hauptsächlich in der Dämmerung und nachts aktiv, tagsüber schläft es im Schatten oder nimmt Schlammbäder. Die Nahrung sind Zweige, vor allem von Akazien, die mit der fingerförmigen Oberlippe gegriffen, zwischen die Kiefer geführt und mit den Backenzähnen abgetrennt werden. Wenn man Spitzmaulnashörner beim Grasen sieht, ziehen sie in Wirklichkeit holzige Pflanzen aus der Erde und lassen das Gras unangerührt. Selbst sehr dornige Zweige werden verzehrt. Bullen und Kühe finden nur wenige Tage während der Paarungszeit zueinander. Sieht man mehrere Nashörner beisammen, handelt es sich meistens um ein Muttertier mit ihren Jungen. Weibliche Jungtiere werden auch noch in der Nähe akzeptiert, wenn das nächste Kalb bereits geboren ist. Spitzmaulnashörner unterhalten durch Urin und Kot markierte Reviere, die sich aber überlappen können. Gegenüber Artgenossen, die benachbarte Reviere bewohnen, sind Spitzmaulnashörner für gewöhnlich nicht aggressiv. Gelegentlich sieht man sogar zwei Bullen nebeneinander grasen. Allerdings ändert sich das Verhalten, wenn zwei Bullen um eine Kuh werben. Dann kann es zu Kämpfen mit manchmal sogar tödlichem Ausgang kommen.
 
Das einzige Kalb wird nach einer Tragzeit von 450 Tagen geboren und hat ein Geburtsgewicht von etwa 25 bis 40 Kilogramm. Die Neugeborenen besitzen an der Stelle, an der das vordere Horn wachsen wird, bereits nach der Geburt eine etwa einen Zentimeter hohe Verdickung; die Wachstumsstelle für das zweite Horn ist nur als etwas hellerer runder Fleck markiert. Das Kalb wird etwa zwei Jahre gesäugt und von der Mutter während dieser Zeit gegen jede potenzielle Gefahr verteidigt. Beinahe ebenso lang ist die Mutter nicht in der Lage, ein weiteres Kalb zu bekommen. Mit fünf (Weibchen) bzw. acht (Männchen) Jahren sind die Jungtiere geschlechtsreif und verlassen die Mutter. Ihre Lebensdauer kann 45 Jahre betragen.
 
Natürliche Feinde hat das Spitzmaulnashorn nicht. Lediglich Löwen schaffen es gelegentlich, ein Kalb zu erbeuten, wenn das Muttertier unachtsam ist. Es wurden auch Fälle beobachtet, in denen trinkende Nashörner von Flusspferden oder Krokodilen attackiert wurden – dies ist aber nicht die Regel. Häufig werden Spitzmaulnashörner von Parasiten befallen; Zecken, Magendasseln und Filarien gehören zu den häufigsten Schmarotzern. Besonders die Wunden, die bei den Brunftkämpfen entstehen, sind ein beliebter Eiablageplatz für Fliegen; eine „Desinfizierung“ ist nur durch Suhlen im Schlamm oder Staubbäder möglich. Um einige dieser Quälgeister los zu werden, dulden Nashörner die Gesellschaft von Madenhackern und Kuhreihern, die auf ihrem Rücken sitzen und die Kleintiere aufpicken.
 
Die Gefährlichkeit von Nashörnern ist meistens sehr übertrieben worden. Ein nahender Mensch wird über den Geruchssinn wahrgenommen. In so einem Fall ergreift das Nashorn meistens die Flucht. Nur wenn der Wind ungünstig steht und das Nashorn überrascht wird, greift es an. Sein Verhalten gilt allgemein als unvorhersagbar, so dass es auch bei scheinbar friedlichen Tieren zu plötzlichen Angriffen kommen kann. Flieht der Mensch, dreht das Nashorn gelegentlich noch ab. Wenn es allerdings den Angriff zu Ende führt, kann es einen Menschen mit dem Horn hochschleudern und dabei schwere Verletzungen hervorrufen. Durch die Jagd wurde das Spitzmaulnashorn schon sehr früh immer seltener. In Südafrika wurde bereits 1853 das letzte Spitzmaulnashorn geschossen, was gleichbedeutend mit dem Aussterben der Unterart D. b. bicornis war. In den Steppen südlich der Sahel-Zone wurde es ebenfalls am Ende des 19. Jahrhunderts weitgehend ausgerottet; diese westafrikanischen Nashörner (D. b. longipes) sind bis auf eine Restpopulation in Kamerun ausgestorben. In den 1960ern verschwanden auch die ostafrikanische (D. b. michaeli) und die südzentralafrikanische Unterart (D. b. minor) durch zunehmende Wilderei aus weiten Teilen ihres Verbreitungsgebiets. Vor allem wegen der angeblichen Heilkraft des Horns in der traditionellen chinesischen Medizin (TCM) und dem in manchen Ländern verbreiteten Glauben an die potenzsteigernde Wirkung des Horns wurde es an den Rand der Ausrottung gebracht. Außerdem gilt ein Dolch aus dem Horn des Spitzmaulnashorns im Jemen als ein Männlichkeitssymbol; Mitglieder der jemenitischen Oberschicht zeigen sich bereit, selbst höchste Preise für illegal importierte Nashorndolche zu zahlen.
 
Die IUCN stufte das Spitzmaulnashorn hiernach als gefährdet ein, später als bedroht und schließlich als stark bedroht. Trotzdem wurde es selbst noch zu einer Zeit, als Schutzmaßnahmen für andere Wildtiere längst griffen, immer seltener. 1970 gab es noch geschätzte 65.000 Spitzmaulnashörner, 1980 waren es bereits nur noch 15.000 Individuen, 1990 etwa 3.000, und 1995 war der Bestand schließlich auf nur noch 2.500 Tiere gefallen. In der Zentralafrikanischen Republik gab es noch 1980 einen gesunden Bestand von 3.000 Nashörnern, der binnen weniger Jahre restlos ausgerottet wurde.
 
Wilderei ist zwar in Ostafrika wegen schwerer Strafen ein großes Risiko, aber die immensen Preise, die Käufer in Ostasien und Jemen für die Hörner zu zahlen bereit sind, machen sie dennoch zu einem lohnenden Geschäft. Um die Nashornjagd für Wilderer unattraktiv zu machen, sind Wildhüter in manchen Gegenden sogar dazu übergegangen, die Nashörner zu betäuben und ihnen die Hörner abzuschneiden, eine Prozedur, die für die Tiere keine schmerzhaften Folgen hat, da Hörner wie Fingernägel nicht aus lebenden Zellen bestehen. Aber auch diese Methode brachte nicht den gewünschten Erfolg: Wilderer, die ein Nashorn ohne Horn aufspürten, erschossen es trotzdem, um nicht später wieder seiner Spur zu folgen. Zeitweise ging man sogar dazu über, einige Spitzmaulnashörner rund um die Uhr von bewaffneten Wildhütern bewachen zu lassen. Im Jahr 2001 gab es in Afrika wieder einen Bestand von 3.100 Spitzmaulnashörnern (unter anderem im Addo Elephant Park, Kruger-Nationalpark, Etoscha-Nationalpark, Hwange National Park, Mana Pools, Südluangwa, Tsavo-National Park, Serengeti). Vor allem die Wiedereinführung in südafrikanischen Nationalparks tat dem Gesamtbestand gut, denn neben Namibia ist Südafrika das einzige Land, in dem Schutzmaßnahmen wirklich greifen und der Bestand des Spitzmaulnashorns wieder wächst.
 
Neben den freilebenden Tieren gehört das Spitzmaulnashorn zum Bestand der meisten größeren Zoos der Welt. Die meisten dieser Tiere sind Wildfänge, die bereits als Jungtiere in Afrika gemacht wurden. Dabei war es bis weit in die 1970er Jahre üblich, die Mutter der Tiere zu erschießen, damit man die Jungtiere einfangen konnte. Eine erfolgreiche Zucht von Spitzmaulnashörnern gelang erstmalig 1941 im Tiergarten von Chicago; 1956 wurde das erste „europäische“ Jungtier in Frankfurt am Main geboren. Der Zoologische Garten Berlin erlangte durch die regelmäßige Aufzucht Weltruhm.
 
Quelle: Wikipedia