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Teebeutel-Kunst

 
Rund 20 Menschen aus dem Township Imizamo Yethu produzieren Kunst aus alten Teebeuteln.
 
Ein Teebeutel hat normalerweise nur ein sehr kurzes Leben. Bereits nach drei Minuten im heißen Wasser hat er sein Aroma abgegeben und damit seine Aufgabe erfüllt. Wer hätte gedacht, dass man wunderschöne Kunst damit gestalten kann? Ob Kerzenhalter, Grußkarten, Glasuntersetzer oder Kleidung – in Hout Bay werden viele Dinge mit gebrauchten, bemalten Teebeuteln zum individuellen Designerstück. 
 
Vor sechs Jahren hatten Jill Heyes und ihre Freundin die Idee, gebrauchte Teebeutel zu entleeren, zu bügeln und zu verzieren. Menschen aus der schwarzen Gemeinde in Hout Bay sollten damit einen Arbeitsplatz bekommen. „Unser erstes Produkt waren Grußkarten, die schnell einen großen Abnehmerkreis fanden“, sagt Jill, die aufgrund des Erfolges des Projektes ihren Beruf als Lehrerin aufgab, um sich voll und ganz ihrem Hilfsprojekt zu widmen.
 
Ihr Engagement hat sich ausgezahlt: Heute produzieren 20 Mitarbeiter aus Imizamo Yethu, Hout Bays Township, in der kleinen Werkstatt im Kronendal Office Park eine ganze Palette verschiedener Andenkenartikel. In dem kleinen Geschäft an der V&A Waterfront werden die Produkte verkauft und zum Teil auch nach Europa exportiert.
 
Getrocknete Teebeutel erhält Jill inzwischen reichlich aus der ganzen Welt. Sie werden von den Menschen im Township mit Farbtuben in den unterschiedlichsten Farben und Formen bemalt. In der Werkstatt werden sie gekonnt auf Holz, Glas und Papier geklebt. Auf ihre Arbeit sind die Mitarbeiter stolz, aber vor allem ist es ihre Lebensgrundlage geworden. So konnte Nomsa sich mit ihrem Einkommen ein Backsteinhaus erwerben und mit ihren Kindern die regendurchlässige Wellblechhütte verlassen.
 

Auf Nicholas hat Jill ein besonderes Auge geworfen. „Er ist gebildet, charmant und eine exzellente Marketingpersönlichkeit, aber leider zeigt auch er mir meine Grenzen auf“, so die „Mutter“ des T-Bag Projekts. Sie steht nicht nur der Herausforderung ihrer neuen unternehmerischen Aufgabe gegenüber, sondern auch der völlig anderen Kultur ihrer Mitarbeiter und ihren massiven Problemen. „Als ich Nicholas einmal schlafend bei der Arbeit erwischte, war ich unglaublich
wütend, aber von seinen Kollegen musste ich erfahren, dass seine Hütte
in der Nacht vom Sturm zerstört wurde. Da steckte ich im Dilemma zwischen
Gefühlen des Mitleids und dem Anspruch professionellen Arbeitens.“
 
Jill kämpft mit notorischer Unpünktlichkeit und hört sich die Sorgen ihrer Mitarbeiter an. Viel Mühe für ein Projekt, an dem sie nicht einen Rand verdient, denn es trägt sich noch nicht selber. „Manchmal frage ich mich, ob es das alles Wert ist. Etwa 3.000 Menschen leben in Armut in unserem Township und ich kann nur 20 von ihnen helfen. Auch wenn es ein Tropfen auf dem heißen Stein ist, die Fröhlichkeit und Hoffnung meines Teams macht mir Mut. Und vielleicht bringt es andere dazu, auch einen kleinen Beitrag zu leisten“, sagt Jill voller Optimismus.
 

Für Nicholas hat sie sogar einen ganz großen Traum wahr machen können: Er wird im August 2006 zur Messe in die Schweiz reisen, um dort das T-Bag Projekt zu präsentieren. Für den 26-Jährigen wird dies die erste Reise in ein anderes Land in seinem Leben sein. Und vielleicht wird er eines Tages zurück blicken und seinem heute acht Monate altem Kind erzählen, wenn es fragt, wie das möglich war: „Angefangen hat alles mit ein paar getrockneten Teebeuteln…“
 

Einkaufen kann der Besucher gleich neben der Werkstatt im Kronandal Office Park in der Main Road in Hout Bay, Mo bis Fr 8.30 bis 16.30 Uhr oder im Red Shed Craft Market an der V&A Waterfront. Mehr Informationen gibt es unter www.tbagdesigns.co.za, Tel. +27 (0)21 790 0887
 
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