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Nordlicht am Kap

 
von Maya Heinbockel
Mit dem Auto fuhr Uwe Hansen von Schleswig-Holstein bis Kapstadt. Hier verkauft er jetzt gute deutsche Wurst in der „Gardens Continental Butchery“.
 
Mitten in Kapstadt an der Kloof Street hat sich Uwe Hansen ein kleines Stück Heimat erhalten. In seiner „Gardens Continental Butchery“ gibt es Nimm2-Bonbons, deutschen Lebkuchen, Hamburger Grünkohl aus der Dose und Kühne Senf. Und dass seine selbstgemachte Wurst fast so schmeckt wie daheim, hat sich unter Kapstadts Deutschen längst rumgesprochen. Schließlich ist auch der 52-Jährige gebürtiger Deutscher. Vor 30 Jahren hat er noch in Grömnitz in Schleswig-Holstein auf einem Bauernhof gewohnt. „Es gab viel zu tun auf dem Hof, also sind meine Eltern mit mir nie verreist“, erinnert sich Hansen.
 
Mit Anfang 20 packte den gelernten Fleischer dann die Reiselust. Mit seinem Motorrad erkundete er Norwegen und Irland. Doch das reichte ihm nicht. Ein Cousin arbeitete zu der Zeit in Windhoek in Namibia und schwärmte von Afrika. Hansen packte kurzerhand sein Auto voll und fuhr am 1. Dezember 1980 aus dem kalten Schleswig-Holsteiner Winter auf in Richtung südliches Afrika. „Ich war 15 Monate unterwegs und es war nicht immer ungefährlich“, erinnert sich Hansen.
 
Über Marokko, Algerien, Ghana, Togo, Nigeria, Zentralafrika, Tansania, Sambia und viele weitere Länder fuhr der Norddeutsche in seinem alten Wagen. „Vorher wusste ich nicht viel über Afrika, ich hatte nur Sehnsucht nach Weite“, sagt halfen sich jedoch unterwegs. „Ich habe mit anderen einen VW-Bus aus dem Schlamm gezogen, davon gibt es sogar ein Foto“, sagt Hansen und zeigt stolz auf einen alten Zeitungsbericht.
 
Unterwegs lernte er die verschiedensten Menschen kennen, darunter auch einen Mann aus Johannesburg. Als der hörte, dass Hansen gelernter Fleischer ist, versprach er ihm einen guten Job in Kapstadt. Da änderte der Urlauber seine Pläne und fuhr ans Kap.
 
Zwei Jahre war er Angestellter in einer Fleischerei, dann machte er sich wieder auf den Weg zurück nach Deutschland. Im Mai kam er in der Heimat an, doch bereits im Oktober stieg er in den Flieger zurück nach Kapstadt. Die Sehnsucht nach der schönen Stadt am anderen Ende der Welt war zu groß. „Man ist zwar in der Stadt aber wie auf dem Lande. Kann Segeln, Windsurfen, Wandern oder Motorradtouren durch die grandiose Landschaft machen“, schwärmt Hansen, „Und wo hat man sonst diese Kombination von Bergen und dem Meer?“
 
Zurück in seiner neuen Heimat übernahm er das Geschäft an der Kloof Street und betreibt es inzwischen seit fast 23 Jahren. „Ich habe viel Wildfleisch verkauft, das war früher nicht überall erhältlich“, erzählt er. Dazu importierte er deutsche Waren über Namibia. Neben seinen deutschen Fleischerkünsten, nach denen er noch heute herstellt, hat er auch südafrikanische Rezepte gelernt. „Viele behaupten sogar, mein selbstgemachtes Biltong (getrocknetes Fleisch) sei das Beste in ganz Kapstadt“, sagt er stolz.
 
Seine Würste und feinen Fleischstücke dürfen auf keinem Braai fehlen. Bei ihm gibt es Kudu-Fleisch und Wiener Würstchen, dazu auch etwas Seafood und Thunfisch. Und wer dazu Zigaretten, Schokolade, Kopfschmerztabletten oder Cola möchte, findet auch das in dem kleinen Laden. Doch die Kunden kommen noch wegen etwas ganz anderem: „Bei mir ist es persönlicher als im Supermarkt“, weiß der Fleischer. Da werden auch ein paar Worte über das Wetter, über Motorräder, Surfen oder die Kinder geredet.
 
Neu in Kapstadt kam er zunächst bei einer alten Dame unter und teilte sich ein Zimmer mit zwei anderen Jungs. „Das war eine tolle Zeit. Ich habe mir von meinem Gehalt ein Motorrad gekauft und zu dritt haben wir tolle Touren durch Südafrika gemacht“, sagt er mit glänzenden Augen, „Ich liebe noch heute diese Freiheit in Kapstadt, am Wochenende herumzufahren.“ Doch aus dem Provisorium ist längst seine Heimat geworden. Eine Rückkehr nach Gömnitz ist für ihn undenkbar. Schließlich hat er sich inzwischen fest in Kapstadt eingelebt.
 
1991 hat er seine Frau geheiratet, die als Deutsche bereits in fünfter Generation am Kap lebt. Beim Karneval in Stellenbosch hat es zwischen ihnen gefunkt. Seine beiden Jungs sind in Südafrika geboren und inzwischen bereits 8 und 11 Jahre alt. Aufgewachsen sind sie zweisprachig. „Sie waren im englischen Kindergarten und gehen jetzt auf die deutsche Schule“, berichtet der Vater. Ganz anders als Hansen, der sich zunächst mit seinem gebrochenen Volkshochschul-Englisch in Afrika durchschlagen musste.
 
Gardens Continental Butchery, Mo-Fr 8-17.45 Uhr, Sa 8-14 Uhr, 120 Kloof Street, Tel. +27 (0)21 423 6944
 
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