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Holländische Architektur

 
von Steffi Walther
Die Holländer bringen während ihre langjährigen Besiedlung Südafrikas so einiges aus ihrer fernen Heimat mit ans Kap: ihre Sprache und Kultur, ihre Sitten und Gebräuche, ihr Wissen um Landwirtschaft und Viehzucht. Das Schönste aber, was sie in Südafrika einführen, ist ihr Baustil. Vor allem in und um Kapstadt sowie entlang der Garden Route baut man nach kapholländischer Art, das heißt symmetrisch aufgebaute, blütenweiß verputzte Häuser mit fast schwarzen Reetdächern und imposanten Giebeln an der Frontseite, die an die schicken Fassaden Amsterdamer Stadthäuser erinnern. Eine Architektur typisch für die Kapregion und einzigartig in der Welt.
 
Die holländischen Siedler bauen ihre Häuser aber nicht in diesem Stil, weil sie so hübsch anzusehen sind, sondern in erster Linie weil sie günstig, einfach und schnell zu errichten sind. Der Aufbau der ersten Häuser ist simpel: Die einstöckigen, rechteckigen Gebäude umfassen meist drei nebeneinandergereihte Zimmer, wobei der mittlere Raum den Eingangsbereich darstellt. Auf der Vorderseite verläuft oftmals eine schmale Veranda, Stoep genannt. Dicke Wände aus Lehm, Mörtel und Ziegelsteinen sollen die Temperaturen im Haus Sommer wie Winter konstant halten. Das Dach wird von Holzbalken gestützt und mit Schilf eingedeckt.
 
Die Böden bedeckt man – wenn überhaupt – mit tausenden Pfirsichkernen. Abschließend verputzen die stolzen Eigentümer ihr bescheidenen Häuschen mit Muschelkalk. Die ersten kapholländischen Häuser müssen noch ohne den so charakteristischen Giebel auskommen. Dieser kommt erst zu Beginn des 18. Jahrhunderts hinzu, als die Wirtschaft am Kap floriert. Der Giebel wird meist in der Mitte des Hauses über der Eingangstür platziert, seltener findet man zwei Giebel über den beiden Außenräumen.
 
Die ersten Giebel sind dreieckig und relativ schlicht gehalten. Eine eingravierte Jahreszahl gibt Aufschluss über das Baujahr des Gebäudes. Mit wachsendem Wohlstand werden die Wohnhäuser größer und die Giebel opulenter. An die 3-Zimmer Häuser baut man Außenflügel mit weiteren Räumen an. Der T-förmige Grundriss entsteht. Auf dem Land bürgert sich die T-Form ein, bei der in der Mitte des Haupthauses ein Flügel angeschlossen wird. Allmählich entwickelt sich daraus die H-Form, bei der man an das T-förmige Gebäude weitere Räume parallel zum Haupthaus baut. Diese Form ist der geläufigste Aufbau der Farmhäuser auf dem Land. Im Laufe der Zeit errichten die Farmer rund um das Haupthaus weitere Gebäude im kapholländischen Stil: Unterkünfte für Bedienstete, Ställe und Weinkeller.
 
Außerdem bekommt der älteste Sohn der Familie ein eigenes Haus, das sogenannte Jonkershuis. Die Farmer pflanzen Bäume, die ihre Einfahrt säumen und in den Höfen im Sommer Schatten spenden. Gewöhnlich zäunt ein gemauerter, ebenfalls weißgetünchter Zaun das gesamte Anwesen ein. Farmen in dieser Form stellen das Idealbild kapholländischer Baukunst dar. Sie sind Sinnbild für das beschauliche Leben am Kap.
 
Mit dem Ausbau der Häuser werden auch die Giebel immer dekorativer. Die ans Kap eingeschleppten Sklaven aus Südostasien erweisen sich als begnadete Kunsthandwerker und werden mit der Verzierung der Giebel betraut. Der Giebel wird so zum Mittelpunkt des Hauses, zum m a r k a n t e s t e n Merkmal des kaph o l l ä n d i s c h e n Stils. Dabei dient er nicht nur zum Schmuck, sondern auch zum Schutz: Fängt das Reetdach Feuer, hält der Giebel die Flammen von der Haustür fern, sodass die Bewohner unverletzt aus dem Gebäude fliehen können.
 
Feuer ist die größte Gefahr für die Reet gedeckten Gebäude. In den Städten, wo sie dicht an dicht stehen, ist es schwer eine Feuersbrunst in den Griff zu bekommen. Aufgrund des fast immer präsenten Windes wird das Feuer rasch von Haus zu Haus getragen und löscht somit ganze Straßen aus. Nach und nach ersetzen die Siedler die Reetdächer daher durch Flachdächer. Mitte des 19. Jahrhunderts weicht die kapholländische Architektur anderen Bauarten, allen voran dem viktorianische Stil der Briten. Heute zählt man noch rund 400 kapholländische Gebäude in Südafrika.
 
 
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