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Hochzeit auf Xhosa

 
Schlachte die Kuh, dann heiratest du
Ein besonderer Geruch liegt in der Luft: Pikant gewürztes Ziegen- und Hammelfleisch, Kürbis, Bohnen und Umphokoqo, der als Milli-Pap bekannte Maisbrei, strömt des Öfteren in die Nasen der Fahrer auf der Autobahn N2 in der Nähe von Plettenberg Bay. Tanzende Menschen jubeln auf den Straßen eines kleinen Xhosa- Dorfes. Die Hochzeit von Constance und Alfred wird hier gefeiert.
 
Südafrikas einzigartiges Erbe, die Erfahrung und Einführung der Xhosa Kultur kann auf einer traditionellen Hochzeit miterlebt werden: Im Xhosa Dorf reihen sich entlang der Straßen provisorische Kioske aneinander, Männer grillen Fleisch und Würstchen direkt auf dem Bürgersteig und Ziegen grasen ganz selbstverständlich am Straßenrand. Kindergruppen schauen neugierig ins Auto.
 
Die Vorbereitungen der Hochzeitszeremonie laufen schon auf Hochtouren. Im Haus des zukünftigen Ehemannes wird eine Kuh geschlachtet, um den Segen der Ahnen zu erhalten. Der Familienälteste wirft das Tier zu Boden, bevor er ihm durch Schläge mit dem Messer einen Schrei entlockt. Erst im Anschluss daran kann er ihm die Kehle durchschneiden. Schreit das Tier nicht, ist das für die Xhosa ein schlechtes Zeichen. Die Vorfahren sollen dann mit der Hochzeit nicht einverstanden sein und die Feier muss in solchen Fällen vertagt, die Probleme, welche die Ahnen verärgern, gefunden und gelöst werden. Wenn die Vorfahren zufrieden sind, kann das Fest beginnen.
 
Die Kleidung der Braut spielt in der Xhosa-Kultur eine ganz besondere Rolle. Wie in der westlichen Kultur ist auch hier das Brautgewand weiß, jedoch mit traditionellen Mustern und Ornamenten bestickt. Der Turban symbolisiert den Status des Verheiratetseins. Seine Form oder die Art wie er gewickelt wird verrät etwas über den Reichtum und die soziale Stellung der Person. Oft trägt die Frau noch neun bis zwölf Monate nach der Vermählung ein Tuch auf Hüften oder Kopf, um ihre neue Rolle als Ehefrau nach außen hin zu zeigen.
 
Mit lautem Jubel und dem bekannten Xhosa- Hochzeitslied Qongqongthwane begrüßen die Gäste die Braut. Keine Live-Band oder Musik vom Band sorgt hier für festliche Stimmung, sondern die typischen Klicklaute und ihre markanten Stimmen. Die Hochzeitsgesellschaft ist bereit zum Auftakt der Party und erzeugt durch Tanz und Gesang eine ganz besondere Atmosphäre. Dies sind elementare Bestandteile ihrer Tradition und Identität.
 
Gesungen wird im Chor, wobei ein Vorsänger Rhythmus und Melodie vorgibt. Durch rhythmisches Händeklatschen und Vielstimmigkeit entsteht so ein unglaublicher Klangteppich. Das geht in die Beine und ermuntert natürlich zum Tanzen. 
 
Binnen weniger Minuten sitzt hier niemand mehr auf Stühlen. Von der 80-jährigen beleibten Großmutter, über den im Sonntagsanzug herausgeputzten Vater bis hin zum kleinen Nachbarsjungen: alle tanzen mit vollem Körpereinsatz. Wer an einem solchen kulturellen Ereignis teilhaben möchte, hat keine Chance sich beim Tanzen zu verdrücken, denn in der Menschenmenge wird fleißig das Tanzbein geschwungen und bis zum Morgengrauen kräftig gefeiert.
 
 
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