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Canned Hunting – grausames Vergnügen der Reichen
 
Datum: 19.08.2015

Die Jagd auf exotische Wildtiere ist nach wie vor ein großes Thema in Südafrika. Besonders umstritten ist das sogenannte Canned Hunting - die Jagd in kleinen, umzäunten Arealen, in denen die Tiere kaum eine Chance haben.

Die Big Five – Leopard, Löwe, Elefant, Wasserbüffel und Nashorn, sind Symbole für Südafrika und stehen stellvertretend für die großartige Natur in diesem Land. Durch ihre Berühmtheit sind sie auch ein begehrtes Ziel für Trophäenjäger.
Die Jagd ist eine große und wichtige Industrie in diesem Land und auch angrenzende Staaten wie Simbabwe und Mosambik brauchen die Einnahmen, die die Trophäenjäger ins Land bringen. Menschen aus der ganzen Welt kommen hierher, um eines der Tiere zu erlegen. Sie zahlen dafür Preise von bis zu 45.000€, je nach Größe und Farbgebung der Tiere. Besonders Löwen mit buschiger und dunkler Mähne sind sehr beliebt.

 

Dennoch müssen Jäger ihre Beute erst einmal erjagen und eine Jagdausbildung besitzen. Eine Jagd kann bis zu drei Wochen in Anspruch nehmen und ein Abschuss ist keineswegs gewährleistet.
Es gilt die „Fair Chance“, d. h. ein Tier kann immer entkommen und der Jäger muss Geduld und Geschick aufbringen, um zum Erfolg zu gelangen.
Ohne Jagdschein und entsprechende Erfahrung sollte es also theoretisch nicht möglich sein, auf Großwildjagd zu gehen.

 

Abgesehen vom Wildern gibt es jedoch noch eine andere, bislang zumindest bedingt legale Möglichkeit, diese Hürden und Kosten zu umgehen: Canned Hunting. Dieser Begriff umschreibt die Jagd auf Großwild, das allein für diesen Zweck gezüchtet wurde und in kleinen, umzäunten Gebieten zur Jagd frei gegeben wird. Canned bedeutet soviel wie „in Dosen“ und verweist darauf, dass die Tiere quasi „abschussfertig“ sind.
Jäger brauchen hier nicht immer Jagderfahrung und auch die Wahrscheinlichkeit, einen Abschuss zu erlangen, ist wesentlich höher. Um möglichst viele Tiere zum Abschuss bereit zu haben, müssen natürlich auch viele Exemplare gezüchtet werden. Gerade bei den Löwen führt das dazu, dass die Jungtiere der Mutter nach nur wenigen Tagen weggenommen werden, so dass die Mutter nicht zu lange säugt und wieder fruchtbar wird. Das kann zu Fehlentwicklungen führen und weibliche oder schwächliche Jungtiere werden manchmal direkt getötet, da sie nicht genug Gewinn einbringen. Die erwachsenen Weibchen werden außerdem als Geburtsmaschinen missbraucht.

 

Besonders perfide ist, dass die Jungtiere dann als Publikumsmagnet genutzt werden. Den Besuchern der Farmen wird häufig erzählt, sie hätten Waisenkinder vor sich, die von Menschen aufgezogen werden müssen. So werden einerseits Einnahmen generiert, andererseits werden die Tiere so an die Nähe zum Menschen gewöhnt.

 

Dass die Tiere ihre Scheu verlieren, ist für die Jagd sehr wichtig, denn so können die Jäger sehr nahe herankommen, ohne das Tier in Unruhe zu versetzen. Auf diese Weise konditionierte Tiere laufen nicht weg und bleiben in der Nähe von Menschen häufig ruhig liegen.
Das macht die Jagd einfach. Da allerdings vielen Jägern die Jagdausbildung und –Erfahrung fehlt, töten sie die Tiere häufig nicht direkt und diese müssen lange Qualen erleiden, bevor sie dann endlich erlegt werden.

 

Selbst Jagdportale im Internet verurteilen diese Art der Trophäenjagd.
So wird Canned Hunting auf Jagen Weltweit mit Gladiatorenkämpfen verglichen, in denen das Tier immer grausam stirbt und der Jäger bestens ausgerüstet ist und vor allem aus sicherer Distanz angreift. Das Portal distanziert sich strikt von dieser Art von Jagd:
„Man muss nicht betonen, dass es sich bei diesen nicht-tierschutzkonformen Tötungsarten nicht um Jagd handelt und dass auch die südafrikanischen Jagdverbände sich nicht nur distanzieren, sondern seit Jahren schon versuchen, diesen Unsitten ein Ende zu setzen.“

 

Allerdings wird in diesem Artikel auch die geringe Beteiligung von deutschen Jägern betont.Eine Studie der University of Pretoria aus dem Jahre 2011 zeigt eine andere Sachlage. Laut den vorliegenden Daten gaben 54,6% der Befragten deutschen Jäger an, ihre letzte Jagd sei eine Käfigjagd gewesen. Es ist nur schwer nachzuvollziehen, wie die wirkliche Sachlage ist, da Jagdverbände und Wildschutzgruppierungen sich gegenseitig beschuldigen und die Jagdfarmer an sich für Stellungnahmen nicht zu erreichen sind.

 

Fest steht jedoch, dass Canned Hunting ein grausames und zweifelhaftes Vergnügen ist, dass mit Jagd nichts mehr zu tun hat. Es ist ein Ausdruck von Dekadenz.
Leider ist es sehr schwierig, die Aktivitäten der Jagdfarmer und Jäger völlig zu beenden, denn wie bereits erwähnt, ist die Jagd im südlichen Afrika ein wichtiger Wirtschaftsfaktor und viele der Jagdfarmer operieren in rechtlichen Grauzonen. Viele Tierschutzverbände, auch in Südafrika, plädieren für ein komplettes Verbot der Trophäenjagd, während Jagdverbände und -veranstalter Einnahmenverluste und eine Zunahme der Wilderei befürchten.
Canned Hunting wird also zunächst einmal leider weiter bestehen. Allerdings bleibt die Hoffnung, dass das Bewusstsein für dieses Thema zunimmt. Es ist ein langsamer Prozess, aber jeder kleine Schritt zählt.

 

Links zum Thema:

 

Studie der University of Pretoria zur Trophäenjagd und Canned Hunting:
bigcatrescue.org/wp-content/uploads/2011/01/Panther-Canned-Hunts.pdf

 

Statement des Portals Jagen Weltweit zum Thema Canned Hunting:
https://www.jww.de/laender/684-wildreiches-land-suedafrika-3-3

 

Dieses Video zeigt eine Canned Hunt auf eine Löwin. Gut erkennbar ist die fehlende Scheu des Tieres.
https://www.youtube.com/watch?v=tExAqeGXRZU